Arbeiten, wenn man krank ist

  • Ich habe gefehlt, weil ich physisch nicht in der Lage war, mich zur Schule zu bewegen. Das hat für mich noch einmal eine andere Dimension als "krank, weil total platt".

    Schrieb ich doch vor ein paar Seiten schon, dass das bei uns der Normalfall ist. Also die Differenzierung nach Art der Erkrankung. Das scheint für einige hier aber grundsätzlich problematisch zu sein, allein schon weil der AG nur ja nicht wissen darf, was man so hat. Wenn ich mit Fieber im Bett liege ist das in der Tat auch vollkommen unerheblich, dann *kann* ich gar nichts mehr machen. Über operierte Knie und gerissene Bänder weiss bei uns der AG jedoch immer Bescheid. Was daran so geheimnisvoll sein soll, erschliesst sich mir nicht.

  • Also die Differenzierung nach Art der Erkrankung

    Das erscheint mir auch sehr sinnvoll. Wenn ich mir ein Bein gebrochen habe, kann ich ab irgendwann Aufgaben stellen und auch per VK unterrichten (ggf nach KH Aufenthalt und Rückgang der Schmerzen). Wenn ich mit 40 Grad Fieber im Bett liege, kann ich das nicht.

    Es hängt natürlich vom Beruf ab. Eine Maurerin kann mit gebrochenem Bein nicht arbeiten, ein Anwältin, wenn nicht gerade Termine vor Gericht anstehen, vermutlich schon.

    Da es diese Differenzierung in D nicht gibt, gilt eben krank ist krank. Ich würde mir aber ein System wie in der Schweiz wünschen.

  • Man hat über ein solches System ja auch schon nachgedacht, man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass dies ein Nachfragesystem sein wird. Der Arzt wird es nur mache, wenn der Arbeitnehmer nachfragt. Denn ansonsten weiß der Arzt aufgrund der fünf Minuten Taktung in in unseren Praxen relativ wenig über die individuelle Arbeitsbelastung. Insoweit erfolgt der facto jetzt schon die Krankschreibung aufgrund persönlicher Selbsteinschätzung 🤷

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  • Das Regeln von Vertretung ist eine extreme Erleichterung, weil.....?

    - es mir persönlich besser geht, wenn die Klasse gut versorgt ist und der Unterricht in meinem Sinne weiterläuft.

    - es der Klasse besser geht, wenn der Wechsel nicht zu auffällig ist, sodass es während der Vertretung zu weniger Konflikten kommt und man später weniger ausgleichen muss.


    Ich finde aber auch erleichternd, wenn...

    - die schon vorbereiteten Materialien zum Einsatz kommen.

    - eine Kollegin (Lehrkraft) nicht die Einheit sprengt, weil sie das, was erarbeitet werden soll, vorweg nimmt, sodass sich die restliche Planung und Vorbereitung der Einheit erübrigt und man nach Genesung neu strukturieren muss,

    - eine Kollegin (pädagogische Mitarbeiterin ohne LA-Ausbildung) nicht irgendetwas erzählt, das man hinterher wieder einfangen muss.


    Dabei habe ich eine 1.-4. Klasse vor Augen, was in sich schon ein großer Unterschied ist.

    In Klasse 3/4, manchmal auch in Klasse 2, ist es auch möglich, eine Buchseite anzugeben, die SuS sind (hoffentlich) relativ selbstständig und können auch schon einige Zeit ohne weitere Anleitung bekannte Aufgabenformate erledigen und/oder etwas üben.

    In Klasse 1 ist der Unterricht schlichtweg anders.


    Davon abgesehen gibt es Formate, die als Selbstläufer geeignet sind und die man recht zügig einführt, damit man zur Not darauf zurückgreifen kann. Auch ein Teil der ständigen Differenzierung (zieldifferent beschulte Kinder) ist darauf ausgerichtet.

    Es gibt auch Schulen, die für den Vertretungsfall bestimmte Übungshefte vorhalten ... was aber nur für kurzfristige Vertretung funktionieren wird, auf lange Sicht geht es nicht.

  • Der Arzt wird es nur mache, wenn der Arbeitnehmer nachfragt

    Nö. Der Arzt schlägt aufgrund seiner Expertise zunächst einmal etwas vor und trifft dann eine Vereinbarung mit dem AN.

  • Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, wie er es hält, solange auf allen Ebenen klar ist, dass Aufgaben und Vorbereitungen keinesfalls eingefordert werden dürfen.

    Dabei sollten aber meiner Meinung nach alle folgende Aspekte im Blick behalten:

    1. Es kann eine Erwartungshaltung bei Schülerinnen/Schülern, Eltern und eben auch Dienstvorgesetzten erzeugen, wenn Kollegin*innen Aufgaben aus der Krankheit schicken - egal warum sie krankgeschrieben sind. Es gibt Kollegin*innen, die können solchen Druck schulterzuckend aushalten, andere aber vielleicht nicht und die handeln dann wider dem eigenen Wohlbefinden, wenn sie dem Druck nachgeben.


    2. Die Sorge darum, wie es der Klasse gibt und ob die Klasse gut versorgt wird, obwohl man selbst krank ist, halte ich für befremdlich und letztendlich kann sich so etwas auch langfristig auf die eigene Gesundheit auswirken. Wir sind alle ersetzbar, langfristig wie kurzfristig und dass ich mich darauf verlassen kann, auch wenn ich krank bin, ist für mich eine große Erleichterung. Und wenn man lange krank ist und deswegen den "Stoff" nicht schafft? Dann ist das halt so.

  • Antimon

    Wieviel Zeit nimmt sich ein Arzt in der Schweiz für ein Arzt Patientengespräch?

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  • Selbst im Unispital Basel hatte ich ein 15 minütiges Gespräch über meine weitere Krankschreibung nach meinem Unfall und die sind echt saumässig schlecht organisiert. Man wird bei einem orthopädischen Problem in regelmässigen Abständen einbestellt um die Situation neu zu beurteilen und die AU allenfalls anzupassen.

  • Siehst Du, das hatte ich mir gedacht und ich würde es mir hier wünschen. In Deutschland musst Du als Arzt darauf achten, dass du genügend Patienten die Stunde durchschleust. Im Regelfall hast Du in der Hausarztoraxis 5 Minuten.

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  • Siehst Du, das hatte ich mir gedacht und ich würde es mir hier wünschen. In Deutschland musst Du als Arzt darauf achten, dass du genügend Patienten die Stunde durchschleust. Im Regelfall hast Du in der Hausarztoraxis 5 Minuten.

    Das erklärt natürlich, warum ich schon so oft von Leuten hörte, die sich eine Krankschreibung erschlichen haben, obwohl sie gar nicht richtig krank waren. Kann man machen, wäre ich aber denke ich zu ehrlich für.

  • ...man sich keine Gedanken darüber machen muss, dass man eventuell die Klassenarbeit verschieben muss (und auf wann), weil die SuS zwei Wochen keine Aufgaben gemacht.

    ...man sich keine Gedanken darum machen muss, dass es eventuell Probleme mit den zentral festgelegten Klausurterminen in der Oberstufe gibt.

    Das mag individuell unterschiedlich sein, aber ich bin echt froh, dass mich das nicht interessieren muss, wenn ich krank bin. Das regeln dann die, die gesund und da sind.

  • Das erklärt beide Extreme, zum einen dass es durchaus möglich ist sich Krankmeldungen zu erschleichen, aber auch warum Kollegen die am Stock gehen, sich krampfhaft zur Arbeit schleichen. Das beste Beispiel ist mein Orthopäde. Die Diagnose ist klar. Dann kommt: Brauchen Sie eine Krankschreibung?

    Der weiß doch nicht, ob Du fünfmal die Etagen ohne Aufzug wechseln musst. Der geht von einem barrierefreien Gebâude aus.

    Genügend Kollegen würden auf diese Frage sagen: Brauch ich nicht kriege ich hin. Wer nicht direkt die AU einfordern möchte, sollte dann aber dem Arzt schon sagen, " Während einer Schicht laufe ich 3 km durch das Gebäude, ohne Aufzug, drei Stockwerke rauf und runter. Die Toilette ist im Keller. So jetzt könnt Ihr Mal ratenl, was der Arzt empfiehlt, wenn er diese Info hätte. Statt dessen, " Nö, Brauch ich nicht." Und sich dann wundern, dass die Therapie so schlecht anschlâgt🙈🙈🙈

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  • Gymshark

    Woher weißt Du, dass die Leute nicht richtig krank waren?

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  • WillG

    Ich finde die Argumentation von WillG sehr gut und da ist kaum was hinzuzufügen.


    Es gibt ferner das Risiko, dass aus Freiwilligen Zusatzleistungen auf einmal eine Erwartungshaltung wird. Das ist ganz gefährlich. Auch wenn Schulleitungen so etwas in ihre Beurteilung rein fließen lassen. Sobald in einer Schule nach diesem Motto verfahren wird. Lasst es sein, dann bitte bei Krankschreibung keine Leistung, auch wenn Ihr könntet. Ihr schadet denen, die noch kränker sind und es nicht können.

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    • Offizieller Beitrag

    aber auch: während ich krank bin, tue ich das, was mir gut tut und zu meiner ruhigen Genesung beiträgt.
    Wenn ich zuhause vor Sorgen nicht ruhig werde, wie ich den Stoff durchkriege und mich deswegen zu früh wieder zur Schule quäle, ist es doofer als die Mails mit den vorbereiteten Materialien (Ich gehe ja von dem Fall aus, dass ich in der Regel meine ganze Reihe schon fertig habe, wenn ich sie unterrichte. Da kostet es mich nicht viel, Materialien zu schicken. Dass ich meine Feinplanung mit Reihenfolge der Übungen, Diskussionsergebnissen und so weiter, nicht unbedingt schicke, ist verschmerzhbar, Hauptsache ICH habe das Gefühl, keine 100% Verluste hinnehmen zu müssen, sondern nur einen Teil.

  • Wenn ich zuhause vor Sorgen nicht ruhig werde, wie ich den Stoff durchkriege und mich deswegen zu früh wieder zur Schule quäle, [...]

    ... sollte ich vielleicht über eine professionelle Distanz zu meiner Arbeit und über eine vernünftige Work/Life-Balance nachdenken, sobald ich wieder gesund bin.

    • Offizieller Beitrag

    da hast du definitiv Recht, aber Distanz hin oder her, die Klausur kommt, und wer schon eine Klausur auf der Basis von 6 Stunden Unterricht stellen durfte, weiß, dass es dann widerum später Stress bereitet.

    (und ja, es wäre wünschenswert, dass es mir egal sei. Ich wünsche mir (ehrlich und ernsthaft) eine Scheibe von O. Meiers Haltung, trotzdem bin ich halt so, wie ich bin. Und immerhin gehe ich nicht mit Fieber in die Schule ;) sondern schicke nur das, was ich eh schon auf dem Rechner habe.)

  • Lasst es sein, dann bitte bei Krankschreibung keine Leistung, auch wenn Ihr könntet. Ihr schadet denen, die noch kränker sind und es nicht können.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe. Wer kann und wem es nichts ausmacht, soll trotzdem nichts machen, um andere nicht unter Druck zu setzen?


    Das ist das so ähnlilch, wie die Kolleg:innen, die mir, wenn ich eine Englisch LK nach 1,5 Wochen korrigiert zurückgebe, vorwerfen, ich würde "die Preise verdeben".


    Natürlich ist jeder erstsetzbar, das ist doch gar keine Frage.


    Ich würde Schulleitungen auch durchaus zutrauen zu wissen, dass die Tatsache, ob jemand bei Krankheit Aufgaben schickt oder nicht 1) eh vollkommen freiwillig ist und 2) abhängig von der Krankheit ist.

  • Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe. Wer kann und wem es nichts ausmacht, soll trotzdem nichts machen, um andere nicht unter Druck zu setzen?


    Das ist das so ähnlilch, wie die Kolleg:innen, die mir, wenn ich eine Englisch LK nach 1,5 Wochen korrigiert zurückgebe, vorwerfen, ich würde "die Preise verdeben".

    Das ist so ähnlich, wie die Kollegen, die mir erzählen wollen, ich dürfte vormittags nicht in der Schulcloud arbeiten (wenn ich aber an meinem unterrichtsfreien Tag eh am Schreibtisch sitze, warum nicht) oder nach 22 Uhr auch nicht (tja, wenn ich aber erst um 22 Uhr anfange, weil die Kinder im Bett sind, wann soll ich denn sonst antworten?!?)


    Ist mir inzwischen egal, was sie dabei fühlen dafür sind sie verantwortlich, nicht ich. Ich bin für meine Zeiteinteilung und mein Work-Life-Balance verantwortlich und wenn es bei mir so passt, dann mache ich es weiter so!

  • CatelynStark

    Bitte auch den Satz da vor lesen, ansonsten istces aus dem Zusammenhang gerissen. In einer Schule die funktioniert, finde ich es unproblematisch auch mehr zu liefern, als der Arbeitsvertrag hergibt. Erwächst daraus jedoch eine Anspruchshaltung von Seiten der Kolleg:innen, dann hätte ich damit meine Probleme, weil ich soetwas nicht unbedingt fördern möchte.

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