Weitergabe von Klausuren durch Oberstufenleitung an Kollege

  • Hallo,


    folgende Situation:

    Wir müssen immer zu jeder Sek II Klausur einen Notenspiegel erstellen und die beste, schlechteste und mittlere Klausur der Oberstufenkoordination zur Unterschrift vorlegen. Manchmal wird was Formales bemängelt (Paraphe fehlt, Name des Schülers auf dem Notenblatt fehlt etc.), meist liegen die Klausuren am nächsten Tag wieder da und können ausgegeben werden.

    Nun hatte ein Schüler bei mir die beste Klausur geschrieben, der in anderen Fächern, ebenso wie in der Kommunikationsprüfung bei mir, schlecht abschneidet. Ich habe auch das Gefühl, dass Hausaufgaben mit KI erstellt wurden.

    Jedenfalls hat die Oberstufenleitung diese Klausur des Schülers nicht mit zurück gegeben, sondern ohne mein Wissen einem anderen Fachkollegen zur Zweitmeinung vorgelegt. Der ist zum Schluss gekommen, dass dort viele schön klingende aber unpassende Floskeln drin seien. Zudem einiges aus dem originalen Text entnommen sei. Und es seien zwar Stilmittel genannt worden aber nicht richtig in der Funktion erklärt… Und trotzdem hätte ich dem Schüler volle Punkte gegeben.
    Im Grunde hieß das, ich hätte mich durch einen schönen Schreibstil blenden lassen und gar nicht so genau geprüft, was die Klausur inhaltlich her gibt. Nun soll ich zum Gespräch antanzen. Ggf könnte das Ergebnis sein, dass die Oberstufenleitung von mir die Vorbereitung einer Feststellungsprüfung verlangt.

    Wie findet ihr das? Ich finde es unverschämt, ohne mein Wissen und Zustimmung meine korrigierte Klausur einem anderen Kollegen vorzulegen. So aus dem Verdacht raus: Schüler XY ist überall schlecht, nur beim Kreidemeister gut. Da hat sich es Kreidemeister vielleicht beim Korrigieren leicht gemacht oder er ist einfach naiv oder will keinen Konflikt mit Schülern.

    Habt ihr das auch mal erlebt? Oder sehe ich das zu eng?

  • Der andere Kollege sollte der Fachbereichleiter des Faches sein, dann ist das grundsätzlich ein normales Verfahren.

    Inhaltlich darf der Koordinator nicht in die Beurteilung der Klausur eingreifen, wohl aber zurückmelden, wenn es seiner Auffassung nach Probleme bei der Korrektur gibt. Ob eine Feststellungsprüfung angesetzt werden kann und von wem kann man ohne Angabe des Bundeslandes nicht beantworten.

  • Wir müssen immer zu jeder Sek II Klausur einen Notenspiegel erstellen und die beste, schlechteste und mittlere Klausur der Oberstufenkoordination zur Unterschrift vorlegen.

    Ist das normal? Hört sich nach furchtbarer Zeitverschwendung an.

  • Das Hintenherum, unabhängig davon, wer da jeweils involviert ist, finde ich ebenfalls absolut unangemessen, zumal es ein Vertrauensverhältnis untergräbt. Es hätte zumindest vorab ein Gespräch stattfinden müssen. Womöglich hat die Schulleitung Angst, dass Kollegen gegeneinander ausgespielt werden.

    Von der Sache her finde ich es bemerkenswert, dass sich hier auch eine Schulleitung traut, Schülerleistungen anzuzweifeln. Ich der Regel verhält es sich eher so, dass die Lehrkraft mit einem Plagiatsverdacht durchgreifen will und die Schulleitung einknickt.

    Bist du dir sicher, dass es sich um einen Affront gegen deine Person handelt oder eher gegen den täuschenden Schüler ?

  • Jedenfalls hat die Oberstufenleitung diese Klausur des Schülers nicht mit zurück gegeben, sondern ohne mein Wissen einem anderen Fachkollegen zur Zweitmeinung vorgelegt. Der ist zum Schluss gekommen, dass dort viele schön klingende aber unpassende Floskeln drin seien. Zudem einiges aus dem originalen Text entnommen sei. Und es seien zwar Stilmittel genannt worden aber nicht richtig in der Funktion erklärt… Und trotzdem hätte ich dem Schüler volle Punkte gegeben.
    Im Grunde hieß das, ich hätte mich durch einen schönen Schreibstil blenden lassen und gar nicht so genau geprüft, was die Klausur inhaltlich her gibt. Nun soll ich zum Gespräch antanzen. Ggf könnte das Ergebnis sein, dass die Oberstufenleitung von mir die Vorbereitung einer Feststellungsprüfung verlangt.

    Ist die Vermutung per se so falsch? Falls Du volle Punktzahl gegeben haben solltest, obwohl mehrere Kriterien nicht vollumfänglich erfüllt wurden, wäre die Frage, was Dich dazu bewogen hat, die Klausur so zu bewerten. Falls ein solcher Fehler passiert sein sollte, ist das nicht verwerflich, aber dann müsstest Du das nächste Mal sorgfältiger sein und Dich der Mittel bedienen, die die Verordnungen und die Schule für solche Fälle vorsehen.

    In NRW kannst Du als Fachlehrkraft nicht zu einer solchen Prüfung angewiesen werden. Die APO-GOSt besagt hier, dass im Einvernehmen mit der Schulleitung die Lehrkraft eine solche Prüfung ansetzen kann. Diese Prüfungen sind aber eben nicht für solche Fälle gedacht, da sie nur dann zum Tragen kommen, wenn die Bewertungsgrundlage zu dünn ist und sie ergänzt werden muss.

    In NRW würde ich in Deinem Fall das hier als Ausgangspunkt für weiteres Vorgehen wählen:

    https://nrwe.justiz.nrw.de/ovgs/ovg_nrw/j…s_20251118.html

    Zitat

    Wie findet ihr das? Ich finde es unverschämt, ohne mein Wissen und Zustimmung meine korrigierte Klausur einem anderen Kollegen vorzulegen. So aus dem Verdacht raus: Schüler XY ist überall schlecht, nur beim Kreidemeister gut. Da hat sich es Kreidemeister vielleicht beim Korrigieren leicht gemacht oder er ist einfach naiv oder will keinen Konflikt mit Schülern.

    Habt ihr das auch mal erlebt? Oder sehe ich das zu eng?

    Ich kann die Vermutung nachvollziehen. Letztlich bist Du der Einzige, der das wissen kann.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • ...

    Wir müssen immer zu jeder Sek II Klausur einen Notenspiegel erstellen und die beste, schlechteste und mittlere Klausur der Oberstufenkoordination zur Unterschrift vorlegen.

    Das hat wohl irgend einen Sinn. Wenn danach nicht über Auffälligkeiten gesprochen werden dürfte, könnte man sich die gegenseitige Kontrolle sparen.


    ...
    Nun soll ich zum Gespräch antanzen. Ggf könnte das Ergebnis sein, dass die Oberstufenleitung von mir die Vorbereitung einer Feststellungsprüfung verlangt...

    "Zum Gespräch antanzen" oder "es soll über eine Feststellungsprüfung gesprochen werden"?

    Ist doch ein normales Vorgehen laut der für dich geltenden Verordnungen. Oder nicht? Wenn ja, wirst du es wohl aushalten müssen, dass jemand deine Arbeit kritisiert oder infrage stellt, wie jeder andere arbeitende Mensch auch. Du wirst deine Bewertungskriterien ja erläutern können und dann deine Meinung zur weiteren Überprüfung kundtun können.

    Wessen Meinung am Ende mehr Gewicht hat, wird irgendwo nachzulesen sein. Im Zweifel entscheidet die Schulleitung, wenn man es auf die Spitze treiben wollte.

  • Das Hintenherum, unabhängig davon, wer da jeweils involviert ist, finde ich ebenfalls absolut unangemessen, zumal es ein Vertrauensverhältnis untergräbt.

    Für einen Beruf, bei dem ein großer Anteil der Tätigkeit aus der Bewertung der Leistung anderer Personen besteht, reagieren Lehrkräfte oft bemerkenswert sensibel, wenn an irgendeiner Stelle mal die Qualität ihrer eigenen Arbeit überprüft werden soll.

    Die Qualität von Klassenarbeiten sicherzustellen (nicht subjektiv, sondern anhand objektiver Kriterien) gehört bei uns explizit zu den Aufgaben von Schulleitung. Dass diese Aufgabe an Koordinatoren delegiert wird, ist üblich, dass diese sich eine fachliche Einschätzung holen, an der Stelle, an der sie selber fachlich nicht beurteilen können und das für notwendig erachten, ist ein professionelles Vorgehen, so lange es über den korrekten Dienstweg erfolgt.

  • Kreidemeister, wieso beziehst du das alles so persönlich auf dich? Ich sehe das ganz anders. Ein Schüler, den du ohnehin unter "KI-Verdacht" hast, gibt eine für seine Verhältnisse viel zu gute Klausur ab. Da liegt der Verdacht nahe, dass er es während der Klausur geschafft hat, KI zu verwenden. Technisch ist das längst möglich. Nur lässt es sich meistens nicht nachweisen. Das ist für uns Lehrkräfte ziemlich doof und es ärgert mich, dass es da keine offiziellen Ansagen gibt, wie damit umzugehen ist. Ich hätte nicht selten Lust, so eine Feststellungsprüfung im Nachhinein zu machen. Rückendeckung durch die Schulleitung fände ich da ganz prima.

    Das Überprüfen durch einen Kollegen finde ich auch etwas sonderbar, aber musst du das wirklich als Schikane sehen? Man darf auch mal unterschiedlicher Meinung sein und man darf auch seine Meinung mal ändern oder einen Fehler einsehen. Vielleicht stützt seine Bewertung sogar den KI-Verdacht?

  • Ich hätte nicht selten Lust, so eine Feststellungsprüfung im Nachhinein zu machen. Rückendeckung durch die Schulleitung fände ich da ganz prima.

    Das Überprüfen durch einen Kollegen finde ich auch etwas sonderbar, aber musst du das wirklich als Schikane sehen?

    Ja, es kostet meine Zeit und untergräbt das Vertrauensverhältnis zum Schüler.

    Sonderbar finde ich vor allem, dass meine korrigierte Klausur heimlich dem anderen Fachkollegen vorgelegt wurde ohne vorher mit mir drüber zu sprechen.

  • klar, wir müssen das sogar in der grundschule machen (der schulleitung vorlegen).

    Dann ist klar, wieso die SLen keine Zeit für gar nichts haben, wenn die jede Klausur anschauen. Zum Glück gibt es sowas bei uns nicht.

  • Ich fände das Vorgehen als Betroffener auch unangenehm. An sich ist es objektiv betrachtet aber sicherlich nicht verwerflich, sich eine Zweitmeinung einzuholen, wenn man ggf. fachfremd ist und einem das sehr gute Abschneiden diffus unschlüssig vorkommt.

    Viel spannender ist aber doch, wie es zu einer vollen Punktzahl bei analytischen Mängeln kommt.

  • ...

    Sonderbar finde ich vor allem, dass meine korrigierte Klausur heimlich dem anderen Fachkollegen vorgelegt wurde ohne vorher mit mir drüber zu sprechen.

    Ich finde es etwas bedenklich, dass du die Korrektur für so einen persönlichen Akt hältst. Wieso machst du die SuS so abhängig von deinem Urteil? Eine Klausur sollte so objektiv als möglich eingeschätzt werden und jede*r Fachkolleg*in sollte ohne sich Gedanken zu machen draufgucken dürfen.

    Noch viel mehr, wenn du noch nicht viel Berufserfahrung haben solltest. Als Elternteil wäre ich froh, die Bewertung meines Kindes hinge nicht von der Verzweiflung einer Lehrkraft ab, ja nicht kontrolliert zu werden. Das Problem sollte in diesem Fall der Schüler empfinden und nicht du.

  • Dann ist klar, wieso die SLen keine Zeit für gar nichts haben, wenn die jede Klausur anschauen. Zum Glück gibt es sowas bei uns nicht.

    die sollten das genauer angucken, blättern aber nur pro forma vor unseren augen einmal durch, tun so, als würden sie einen moment lang interessiert etwas prüfen, und unterschreiben dann gleich.

  • die sollten das genauer angucken, blättern aber nur pro forma vor unseren augen einmal durch, tun so, als würden sie einen moment lang interessiert etwas prüfen, und unterschreiben dann gleich.

    Q.e.d -> Zeitverschwendung

  • Wie findet ihr das? Ich finde es unverschämt, ohne mein Wissen und Zustimmung meine korrigierte Klausur einem anderen Kollegen vorzulegen. So aus dem Verdacht raus: Schüler XY ist überall schlecht, nur beim Kreidemeister gut. Da hat sich es Kreidemeister vielleicht beim Korrigieren leicht gemacht oder er ist einfach naiv oder will keinen Konflikt mit Schülern

    Kenne ich. Eine Mutter hat sich direkt beim SL beschwert, ich war neu und an der Schule und 20 Jahre jünger, der SL hatte andere Fächer und bat einen erfahrenen Mathekollegen um seine Meinung.

    Ergebnis, meine Arbeit und Korrektur waren gut, ich erhielt sogar Lob für die Aufgabenstellung.

    Natürlich fand ich es nicht gut, dass eine Mutter sich direkt bei der SL beschwert und nicht zuerst mich ansprach. Mit dem Vorgehen der SL hatte ich dagegen 0 Probleme. Was sollte sie auch anders machen?

    Kreidemeister, hast du nicht neulich die Frage gestellt, ob man Prüfungsmitschriebe von Kollegen ohne Einverständnis dieser an Schüler weiter leiten darf? Da ist der Vertrauensverlust deutlich höher. Es ist jetzt das 3. Mal, dass ich mich sehr über deine Einstellung wundere. (Das 3. Mal war dein übergroßes Verständnis für ständig Zuspätkommer.)

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

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