Warum habt ihr euch für eure Schulart entschieden ?

  • Hallo zusammen,

    ich stehe aktuell vor der Entscheidung, für welche Schulart ich mich langfristig entscheiden soll, und finde das ehrlich gesagt ziemlich schwierig.

    Deshalb würde mich interessieren: Was waren eure Gründe, warum ihr euch für eure Schulart (z. B. Grundschule, Sek I, Gymnasium) entschieden habt?

  • Die Entscheidung kannst du nur selber treffen. Bist du seit in deinem ersten Thread vor einigen Wochen (Wechsel Grundschullehramt zur Sek 1) gedanklich noch nicht weiter gekommen?

    Ich habe damals für Primarstufe und die Sek 1 die jeweils ersten Staatsexamen gemacht. Die Entscheidung traf ich schließlich für das Referendariat in der Grundschule. Ausschlaggebend war die Arbeit in einer inklusiven Tagesstätte, aber auch Praktika und Hospitationen in den beiden Schulstufen.

  • Manches ergibt sich einfach.

    Vor dem Abi wollte ich an die Kunstakademie, um Kunsterziehung zu studieren. Was ich damals nicht wusste: In Stuttgart gab es 25 Plätze, jedoch mehr als 500 Bewerber*innen. So wurde es nichts mit der Arbeit im Kunstraum eines Gymnasiums.

    Meine Eltern waren Handwerker und ich war in der Jugendhausbewegung und zuvor in der christlichen Jugendarbeit aktiv - daher wollte ich Lehrer werden. Die Pädagogische Hochschule war nicht weit vom Heimatort entfernt und ich konnte am WE meine Freundschaften pflegen. Also hab' ich an der PH Kunst und Mathe, Pädagogik und Philosophie für das Lehramt GHS studiert. Damals besuchten noch 60% der Schüler weiter führender Schulen die Hauptschule, die Berufsaussichten waren daher gut.

    Was mir als Lehrer an der HS immer gefallen hat, war das breite Spektrum, das man dort unterrichtet sowie der Focus auf Beziehungsarbeit, falls ein stringentes Klassenlehrersystem Teil des Schulcurriculums ist. Die Bezeichnung "Zehnkämpfer" in meinem Profil ist keine Angabe, sondern Tätigkeitsbeschreibung. Diese Vielfalt der Unterrichtsfächer, die man im Klassenlehrersystem unterrichtet, hat auch dazu geführt, dass ich mir ein breites Allgemeinwissen aneignen musste und durfte. Das war spannend und intellektuell fordernd.

    Ich sag's mit Edith Piaf:

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  • Ich habe in Ba-Wü Lehramt für Grund- und Hauptschulen mit dem Stufenschwerpunkt Hauptschule studiert. Mein Hintergrund ist ähnlich wie Wolfgangs Hintergrund. Ich hatte durch die Kinder- und Jugendarbeit, die ich als Schülerin in der Freizeit machte, schon viele Berührungspunkte mit Kindern und Jugendlichen ab 10 Jahren und meine Erfahrungen damit. Deshalb entstand auch mein Berufswunsch aus diesem Grund: Ich wollte etwas Pädagogisches oder Soziales machen. Ich machte zusätzlich Praktika in einem Kinderdorf und in einer sozialen Einrichtung für Behinderte. Ich merkte aber da, dass die extremen Fälle mich zu sehr belasten würden. Letztendlich bin ich an einer Pädagogischen Hochschule gelandet mit der Option ein Aufbaustudium zu machen. Diplompädagogik, Musiktherapie oder Sonderschule (so hieß das damals) - das schwebte mir damals noch vor. Entsprechend habe ich, so weit es ging, meine Fächer gewählt.

    Nach dem Studium und Referendariat entschloss ich mich, es erstmal als Lehrerin zu versuchen, obwohl ich mich erst in die Lehrerrolle reinfinden musste. Das war eben doch etwas anderes als der legere Umgang mit Jugendlichen in der Freizeit. Ich war in beiden Schularten eingesetzt und hatte meine erste Klassenleitung in einer 3. Klasse. (Ich wollte gerne eine 5. Klasse, erhielt aber eine 3. Klasse ) Das hat mir dann doch so gut gefallen, dass ich schwerpunktmäßig als Klassenleitung in der Grundschule blieb. Als ich zum ersten Mal versetzt wurde, landete ich zu meiner Freude an einer reinen Grundschule. So bin ich zur Grundschule gekommen.

    An der Grundschule hat mir besonders das durchgängige Klassenlehrerprinzip gefallen und die Vielfalt der Fächer in einer Hand. Hier konnte man fächerübergreifend unterrichten und wenn man oft in der Klasse war, konnte man den Schulvormittag selbst rhytmisieren und musste sich nicht sklavisch an die 45 min halten. In der Grundschule musste man sich stark mit der Differenzierung auseinandersetzen, aber ich fand manchmal echt super, welche Ergebnisse bei Anwendung entsprechender Methoden herauskamen.

    Zwischendrin war ich in der Hauptschule als Vertretung und da habe ich den Unterschied gemerkt, dass man dort die Gruppen homogener sind und man bei allem kleinschrittig vorgehen muss, während in der Grundschule die Bandbreite der Anforderung, also die Range größer war.

    Von der Disziplin her ist es in der Grundschule sehr anspruchsvoll geworden. Wobei ich mir vorstellen kann, dass in der Hauptschule es noch schwieriger ist. Die Eltern sind insgesamt in der Grundschule anstrengender, denke ich mal, weil sie sich mehr noch um Schule in ihrer eigenen Art kümmern.

    2 Mal editiert, zuletzt von Caro07 (20. März 2026 12:53) aus folgendem Grund: Ergänzung und Rechtschreibung

  • Berufsbildende Schulen mit Fachrichtung Wirtschaft und Fach Informatik war mit meinem Studium der einzige für mich mögliche Weg in den regulären Schuldienst. :weissnicht:

  • Ich habe mich für Grundschule entschieden, weil meine Begabung bei Deutsch und Englisch liegt und ich Germanistik studieren wollte. In der Sekundarstufe wären das aber zwei Korrektufächer und auf dicke Heftstapel am Wochenende hatte ich keine Lust. Jetzt mache ich die Korrekturen meistens zackzack direkt im Austausch mit dem Kind in der Stunde, die Tests oder Aufsätze in großen Pausen und Freistunden. In Klasse 1-3 muss ich nur selten Stapel mit mach Hause nehmen.

    Außerdem finde ich es linguistisch sehr interessant zu erfahren, was für Auffassungen und Ahnungen von Sprache die kleinen "Urmenschen" haben und wie sie diese lernen. Da geht es wirklich meist an die Substanz des Deutschen und nicht um Sekundärliteratur zu ollen Ganzschriften und Interpretationsgesülze.

  • Bei mir ist es auch ähnlich,

    ich habe auch vorher schon mit Kindern ehrenamtlich gearbeitet.

    Auch ich bin für Grund- und Hauptschulen ausgebildet worden (, zwischendurch gab es sogar GHR), wollte aber in die Grundschule.

    Während des Studiums waren kaum Stellen vorhanden, man brauchte sehr gute Noten, um direkt ins Ref gehen zu können, sonst musste man warten, und musste sich auf Hauptschule einstellen, wenn man überhaupt etwas bekommen wollte … oder Vertretungen über Jahre mit kurzen Verträge, Festanstellung erst, wenn man 3 Jahre Anstellung über die Vertretungen gesammelt hatte, manchen wurde 1 Woche vorher gekündigt.

    Als ich dann fertig war, gab es durch die Umstellung auf die Verlässlichkeit vor allem in der Grundschule Bedarf.

    Ich wollte viele Fächer unterrichten und fand es schwierig, mich für die Studienfächer zu entscheiden, ich musste 2 Fächer ausschließen, die ich auch gerne gemacht hätte.
    In der Grundschule unterrichte ich sie aber seit vielen Jahren.

    Und ich wollte an den Anfang, fand gerade den Erstunterricht spannend … und habe im Studium Fundamente gelegt, auf denen sehr vieles aufgebaut werden konnte, das ich heute benötige, damals aber nicht geahnt habe.

    DaZ wurde als solches bei uns noch nicht angeboten, aber Inhalte haben mir dabei den Weg geebnet,

    ich hatte tolle Profs in Pädagogik und es ging schon damals um Individualisierung, heute ist es wegen der Inklusion breiter aufgestellt, als damals. Ich unterrichte Kinder mit Geistiger Beeinträchtigung und mit Hochbegabung, die Sache an sich finde ich gut, auch wenn die Bedingungen mies sind.

    Mir gefällt die Vielfalt und an sich auch, dass man an der kleineren Schule vieles miteinander gestaltet, mit ca. 10 Leiten hat man viele zusätzliche Aufgaben, je kleiner das Stamm-Kollegium, desto mehr zusätzliche Beauftragungen, denn an jeder Schule müssen sie verteilt werden. An sich interessiert mich vieles, aber über die Jahre ist die Schieflage von zusätzlichen Aufgaben zu Arbeitszeit immer extremer geworden und insgesamt zu viel dazu gekommen.

    Was man an der Grundschule nicht unterschätzen sollte:

    • Es ist viel Arbeit, die Kinder in die Schule und ins Lernen finden zu lassen, das wird auch immer herausfordernder, da man sehr viele zusätzliche Bedarfe hat und diese überwiegend in der Grundschule unterrichtet werden. Und damit ist nicht gemeint, dass man Aufwand für das hübsche Klassenzimmer betreibt. Die 1. Klasse hat es in sich, überschaubarer wird es meiner Erfahrung nach je nach Klassenzusammensetzung, Jahrgang oder Einzugsgebiet ab Mitte Klasse 2 oder noch später
    • Der Korrekturaufwand ist nur scheinbar kleiner, weil man häufiger engmaschig jede bearbeitete Aufgabe kontrolliert. Sicher kann ich mich nicht mit Leistungskurs-Klausurstapeln messen, aber ich sitze ständig an irgendwelchen Heften und bin froh, dass es je nach Jahrgang wechselt, worauf es ankommt, sodass es nicht immer gleich.
    • Man ist sehr nah an den Kindern, die zu uns abgeordneten Gymnasiallehrkräfte und versetzten HS-Lehrkräfte (länger her) fanden die Kinder fordernder, fanden die Belastung im Unterricht größer und waren alle der Meinung, dass man den Unterricht ganz anders planen müsse.
    • Bei allen Bemühungen zu Lernbegleitung etc. hat man selten „Freilauf“ im Unterricht, weil Schüler:innen etwas bearbeiten, denn in der Regel gibt es dann noch etwas zu differenzieren oder fördern oder besprechen oder vorzubereiten oder …
  • Ich habe Praktika an mehreren Schulen gemacht, das erleichterte die Entscheidung.

    🍦 Eis macht Spaß! 🍦
    Schoko, Vanille – ganz egal,
    Hauptsache lecker jedes Mal! 😋

    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.

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