• Vielleicht kann mir hier jemand einen Rat geben oder seine Erfahrungen teilen.

    Ich studiere Lehramt für sonderpädagogische Förderung und bin nach 5 Jahren Studium eigentlich fast fertig. In ca. 2 Monaten gebe ich meine Masterarbeit ab und dann steht das Referendariat an.

    Eigentlich müsste ich mich freuen, aber stattdessen kommen bei mir immer mehr Zweifel auf, ob das wirklich der richtige Weg für mich ist. Ich arbeite aktuell einmal pro Woche an einer Schule und merke oft schon morgens, wenn ich die Klasse betrete, dass ich hoffe, der Tag geht schnell vorbei. Das fühlt sich irgendwie nicht richtig an, wenn man bedenkt, dass man diesen Beruf später jeden Tag ausüben soll.

    Gleichzeitig habe ich mir neben dem Studium auf Instagram etwas aufgebaut und bin dort selbstständig. Damit verdiene ich aktuell ungefähr 5.000 € brutto im Monat. Und ehrlich gesagt macht mir das deutlich mehr Spaß als die Arbeit in der Schule. Ich freue mich auf die Aufgaben, bin motiviert und könnte mich stundenlang damit beschäftigen.

    Trotzdem fällt mir die Entscheidung schwer. Ich habe so viel Zeit und Arbeit in das Studium investiert und bin jetzt kurz vor dem Abschluss. Außerdem ist mir finanzielle Sicherheit wichtig, und die hat man als Lehrkraft natürlich eher als in der Selbstständigkeit.

    Je näher das Referendariat rückt, desto unsicherer werde ich. Ein Teil von mir denkt, dass ich es auf jeden Fall machen sollte, weil ich sonst vielleicht irgendwann bereue, es nicht wenigstens versucht zu haben. Der andere Teil fragt sich, ob ich gerade dabei bin, einen Berufsweg einzuschlagen, von dem ich eigentlich jetzt schon weiß, dass er mich nicht wirklich glücklich macht.

    Ich liebe es zu reisen, flexibel zu sein und selbst zu entscheiden, wann und von wo ich arbeite. Außerdem bin ich eher ein ruhiger und zurückhaltender Mensch. Deshalb frage ich mich oft, ob ich überhaupt für einen Beruf gemacht bin, bei dem man jeden Tag vor einer Klasse steht und permanent mit vielen Menschen zu tun hat.

    War jemand von euch schon mal in einer ähnlichen Situation? Habt ihr das Referendariat trotz eurer Zweifel gemacht oder euch bewusst für einen anderen Weg entschieden?

    Ich würde mich wirklich über ehrliche Erfahrungen freuen, weil ich momentan das Gefühl habe, zwischen Sicherheit und dem, was mir eigentlich Spaß macht, festzustecken.

  • Ruhig und zurückhaltend bin ich auch. Das beeinträchtigt mich nicht in meinem Lehrerinnenleben. Also, das wäre in meinen Augen kein Grund.

    Arbeitest du denn jetzt an der gleichen Schulform wie nach deinem Abschluss? Das könnte einen Unterschied machen.

    Ich persönlich würde das Referendariat machen, dann hast du eine fertige Berufsausbildung und kannst in der Zeit weiter Erfahrung sammeln und besser abschätzen, ob du dir das länger vorstellen kannst. Die Entscheidung es nicht zu tun, kannst du immer noch treffen. Du hast ja schon einen richtig guten Job, den du während des Refs aber vermutlich auch aus Zeitgründen vernachlässigen musst. Du brauchst vmtl. auch eine Nebentätigkeitserlaubnis und der zeitlich erlaubte Umfang ist nicht so groß, kenne mich da aber nicht 100% ig gut aus.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Das Studium würde ich an deiner Stelle auf jeden Fall beenden.

    Und dann würde ich (!) die Bewerbung für das Ref um ein Jahr (oder mehr, falls ich das will). schieben. Du sagst selbst, du kannst im Moment von deinem Job leben und willst reisen, flexibel Arbeiten.... . Dann mach das doch.

    Den Platz im Ref bekommst du ziemlich sicher auch in ein paar Jahren noch.

    Viele Grüße aus dem Süden :wink_1:

  • Hier eine Stimme dafür, das Ref direkt durchzuziehen. Dann ist es geschafft, du hast eine vollständige Berufsausbildung und dir stehen alle Türen offen. Gleichzeitig sind gerade die Monate nach den Prüfungen im Ref eine gute Möglichkeit, herauszufinden, ob du, wenn der Prüfungsdruck weg ist, Lust auf Schule hast und selbst das erste Mal richtig gestalten kannst.

  • Ich finde übrigens, dass es einen sehr großen Unterschied macht, ob man einmal in derWoche in der Schule ist oder täglich. Man hat eine ganz andere Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern und ist dann auch Teil des Kollegiums. Ich liebe meinen Job und gehe jeden Tag gern zur Schule. Aber wenn ich nur einmal in der Woche da wäre, würde ich mich fremd und unwohl fühlen.

  • Das Ref rennt dir nicht weg und so wie im Moment die Stellensituation ist, wird das in ein paar Jahren auch noch so sein. Ich hatte nach dem Studium wirklich keine Lust auf Schule und habe erst 5 Jahre später mein Ref gemacht und vorher mal "die echte Arbeitswelt" und so weiter kennengelernt. Ich fand das gut und es hat mir persönlich deutlich mehr gebracht, als direkt von der Uni in die Klasse zu stolpern. Wenn es gerade gut läuft, dann bleib doch dabei. Das Ref kannst du immer noch machen. Vielleicht bist du etwas älter als die anderen Mitreffis. Ja, und?

  • Danke für eure Antworten, ich tendiere dazu alles durchzuziehen inklusive Referendariat und dann weiter zu schauen…

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Praxissemester schrecklich fand, obwohl hier noch alles unbenotet war habe ich mir sehr großen Druck gemacht jede Stunde perfekt durchzuplanen und durchzuziehen. Im Kollegium habe ich mich trotzdem fremd und nicht wirklich zugehörig gefühlt obwohl ich täglich da war…

    Ach, ich bin mir so unsicher, mittlerweile denke ich schon, ich mache das alles weil es meine Eltern so wollten…

  • Als Praktikantin bist du halt aber auch nicht ein richtiger Teil des Kollegiums, auch wenn du jeden Tag da bist, es wundert mich nicht unbedingt, dass du dich da fremd gefühlt hast. Ich fand die Praktika im Studium übrigens ebenfalls recht schlimm und war bei jeder kleinsten Einheit, die ich halten sollte, furchtbar aufgeregt. Im Ref war das dann anders, wobei ich auch im Ref eigentlich durchgehend sehr gestresst war. So richtig schön an der Schule wurde es für mich eigentlich erst nach dem Ref.

    Ich glaube, wenn das mit dem Instagram bei dir derzeit so gut läuft, würde ich das auch noch ein paar Jahre lang machen und dann ins Ref gehen. Wie lange hat man in deinem Bundesland denn den Anspruch auf einen Platz? Ich meine mich zu erinnern, dass es da Unterschiede gibt.

  • Danke für eure Antworten, ich tendiere dazu alles durchzuziehen inklusive Referendariat und dann weiter zu schauen…

    Ist dann aber die Chance bei Instagram nicht weg? Dafür wirst du im Ref weniger Zeit haben.

    Viele Grüße aus dem Süden :wink_1:

  • Schule läuft dir nicht weg. Ich würde die insta-Welle weiter surfen und das Leben genießen, solange es dort gut läuft. Wenn du ins Ref gehst und dafür keine Zeit und Kapazitäten mehr hast, riskierst du evtl. ein gerade gut funktionierendes Business für einen Job, an dem du bereits jetzt zweifelst - wäre mir persönlich zu riskant.

  • Was für einen Masterabschluß hast du dann? Ist der außerhalb von Schule verwendbar?

    Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. :P

    8) Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling:

    Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.

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