Klassenfahrt: mein Kind will nicht mit.

  • Danke für den Verweis. Die Aussagen in der Quelle finde ich aber verwirrend bzw. zumindest wenig durchdacht hinsichtlich der schulischen Realitäten. Einerseits heißt es, "außerunterrichtliche Veranstaltungen sind von den Schulen weiterhin verpflichtend durchzuführen", andererseits, wie von dir zitiert, "bei mehrtägigen außerunterrichtlichen Veranstaltungen, Veranstaltungen an unterrichtsfreien Tagen, kostenpflichtigen Veranstaltungen [...] sowie mehrstündigen Veranstaltungen über den stundenplanmäßigen Unterricht hinaus [...] besteht keine Teilnahmepflicht".

  • das ist doch nicht widersprüchlich, es ist eine Ausnahme bzw. Einengung. Es gibt doch weitaus mehr außerunterrichtliche Veranstaltungen als mehrtägige Klassenfahrten.

  • Die Überlastung der Arztpraxen ist aber nicht mein Problem als Klassenlehrer, sondern das Problem der Eltern, die ein Attest benötigen. Deshalb kümmere ich mich um fies Problem nicht.

    Laut Auskunft der SL kümmert sich auch die BR nicht wirklich um das Problem, so dass es allmählich droht, als Werkzeug völlig leerzulaufen...

  • Ganz ernsthaft: Wir haben SuS, die monatelang nur sporadisch - wenn überhaupt - nicht zur Schule kommen. Ja, das Krankfeiern einer Klassenfahrt ist Sch... aber: Es gibt wirklich dringendere Fälle.
    Abgesehen davon: sich am ersten Tag krankmelden und am 2. Tag in die Schule kommen (andere Klasse) und dann wird wohl keine*r mehr auf ein Attest pochen.

  • In Sachsen schon.

    Alle Schüler sind grundsätzlich zur Teilnahme an Schulfahrten nach Ziffer 2 verpflichtet, ...

    Können einzelne Schüler nicht an der Veranstaltung teilnehmen, so besuchen sie grundsätzlich den Unterricht einer anderen Klasse oder eines anderen Kurses. Über Ausnahmen entscheidet der Schulleiter.

    Im Grunde müssten wir die Eltern informieren, dass sie sich mit der Schulleitung auseinandersetzen müssen, dann hätten wir damit nichts weiter zu tun.

    Edit: wenn diese sich einfach nicht mehr melden, hätte man natürlich trotzdem keine Handhabe, weil die Krankschreibung bis 5 Tage immer eine Option ist.

  • chilipaprika , wieso willst du das gegeneinander aufrechnen? Wer dauerhaft schwänzt und nicht mehr wiederzugewinnen ist, bei dem ist eh Hopfen und Malz verloren. Deswegen muss man ja nicht andere gleichermaßen aufgeben, weil deren Schwänzen befristet ist.

    Außerdem ist es für eine kleine Schule doof, wenn ein Drittel nicht mitfährt, muss man eine extra Lehrkraft abstellen, die sich nur um die kümmert, die keine Lust haben mitzufahren.

  • Laut Auskunft der SL kümmert sich auch die BR nicht wirklich um das Problem, so dass es allmählich droht, als Werkzeug völlig leerzulaufen...

    Wenn ich als Lehrer eine Nicht-Teilnahme nur akzeptieren kann/darf/muss, wenn ein Attest vorliegt, dann ist es ein Problem der Eltern und nicht mein Problem. Können sie ein Attest vorlegen ist alles klar, der Schüler darf/kann/muss nicht mitfahren. Können sie kein Attest vorlegen ist auch alles klar, der Schüler darf/kann/muss mitfahren. Ist doch eine klare Sache. Welche Diskussion die Eltern mit ihrem Hausarzt führen, ist nicht mein Problem. Und ich mache es auch nicht zu meinem Problem.

  • Im Grunde müssten wir die Eltern informieren, dass sie sich mit der Schulleitung auseinandersetzen müssen, dann hätten wir damit nichts weiter zu tun.

    chilipaprika , wieso willst du das gegeneinander aufrechnen? Wer dauerhaft schwänzt und nicht mehr wiederzugewinnen ist, bei dem ist eh Hopfen und Malz verloren. Deswegen muss man ja nicht andere gleichermaßen aufgeben, weil deren Schwänzen befristet ist.

    Ich rechne das doch nicht gegeneinander auf!!
    Ich antworte auf Tingelteachers Beitrag, dass die Bezirksregierung den Meldungen nicht mehr nachgeht.
    Meine Arbeitszeit ist nicht dehnbar, meine Kapazitäten nicht unendlich. Dies ist bei der Schulleitung und bei der Bezirksregierung dasselbe.
    Also wird priorisiert.
    Schüler*innen zu beschulen ist wohl auf der Prioritätsliste wichtiger als das Exempelstatuieren, weil eine Familie keine Klassenfahrt zulässt, oder?

    (Weder habe ich je einen realen pädagogischen an Klassenfahrten gefunden, noch kann ich es mit der "Entertainment" und "Luxus"-Erwartung aktuell vereinbaren, zumal es echt hohe Kosten, die zusammenkommen. Ich würde es als Elternteil auch nur mit Zähneknirschen wollen.

  • Seit einigen Jahren bleiben an meiner Schule immer mehr Schüler von Klassenfahrten daheim, teilweise bis zu einem Drittel. Manche teilen dies von Anfang an mit, manchen fällt 2 Wochen vor der Fahrt ein, dass sie doch keine Lust haben, andere sind am Abfahrtsmorgen sterbenskrank. Die offiziell mitgeteilte Gründe sind vielfältig. Während früher oft das Geld ein Problem war, haben heute viele keine Lust auf klassische Ziele, organisiertes Programm, Kultur, Verbot von Alkohol undd Nikotin, zu wenig Freiraum am Reiseziel, ... Auch Heimweh bzw. Trennungsangst wird immer mehr. Unsere Schüler sind bei den Abschlussfahrten in der Regel 14-15 Jahre alt, bei Schullandheimfahrten jünger. Am liebsten wäre ihnen eine Fahrt ans Meer mit schönem Hotel, Pools, AI, ... Alles andere wird von einigen von vorneherein abgelehnt.


    Aufgrund der hohen Krankheitsraten buche ich inzwischen nur noch Komplettprogramme über einen Anbieter inkl. Reiserücktrittversicherung. Dadurch muss ich mich hinterher wenigstens nicht mit den Eltern rumärgern, die auf die Rückzahlung der geleisteten Kosten bestehen. Ein ärztliches Attest ist auch hier natürlich Pflicht.


    Das gleiche Phänomen haben wir im Übrigen auch bei halb- und eintägigen Fahrten: immer mehr Schüler sind urplötzlich an diesen Tagen krank, erstaunlicherweise immer die selben.

  • Ich finde die Gründe dafür, dass Klassenfahrten unbedingt Pflicht sein müssen, ehrlich gesagt nicht besonders überzeugend. Man kann auch freiwillige Schulfahrten anbieten, die dann je nach Interessenslage entweder wahrgenommen werden oder nicht. Da fahren dann sowohl Lehrer als auch Schüler mit, die das wollen und auch Spaß an der Sache haben.

    Wir sollten als Gesellschaft grundsätzlich besser aufpassen, wo wir die Grenze ziehen was Pflicht ist und was nicht und das was Pflicht ist dann auch wirklich durchsetzen und nicht irgendwie drum herum eiern und am Ende es doch irgendwie tolerieren, wenn Wege um die Pflicht herum gesucht und gefunden werden, denn so untergräbt man das Gemeinwesen ebenfalls.

  • Seit einigen Jahren bleiben an meiner Schule immer mehr Schüler von Klassenfahrten daheim, teilweise bis zu einem Drittel. Manche teilen dies von Anfang an mit, manchen fällt 2 Wochen vor der Fahrt ein, dass sie doch keine Lust haben, andere sind am Abfahrtsmorgen sterbenskrank. Die offiziell mitgeteilte Gründe sind vielfältig. Während früher oft das Geld ein Problem war, haben heute viele keine Lust auf klassische Ziele, organisiertes Programm, Kultur, Verbot von Alkohol undd Nikotin, zu wenig Freiraum am Reiseziel, ... Auch Heimweh bzw. Trennungsangst wird immer mehr. Unsere Schüler sind bei den Abschlussfahrten in der Regel 14-15 Jahre alt, bei Schullandheimfahrten jünger. Am liebsten wäre ihnen eine Fahrt ans Meer mit schönem Hotel, Pools, AI, ... Alles andere wird von einigen von vorneherein abgelehnt.

    meine steigende Erfahrung der letzten 10 Jahre.
    Ich weiß schon, dass ich eine relativ niedrige Erwartungshaltung bei Ferienunterkünften habe, mein Mann hat sich von seinen Hotelwünschen schon längst verabschiedet. Aber dass meine SuS über Jugendherbergen und den angebotenen Aktivitäten so die Nase rumpfen, und unter anderem am ehesten diejenigen mit 2-5 Geschwistern (wie sind denn DEREN Urlaube?!)...

  • Laut Auskunft der SL kümmert sich auch die BR nicht wirklich um das Problem, so dass es allmählich droht, als Werkzeug völlig leerzulaufen...

    Das ist auch nicht das Problem der BR. Fehlt der S. ohne Attest bei der Klassenfahrt und nimmt auch nicht am Ersatzunterrichts statt, fehlt er eben unentschuldigt.

  • Das ist auch nicht das Problem der BR. Fehlt der S. ohne Attest bei der Klassenfahrt und nimmt auch nicht am Ersatzunterrichts statt, fehlt er eben unentschuldigt.

    Ja, das ist natürlich richtig. Als Schule sind wir aber zunehmend in der Situation, dass wir Fehlzeiten halt nur noch schulterzuckend dokumentieren können, in Extremfällen weitermelden, und auch dann nur schulterzuckend zur Kenntnis nehmen können dass nix passiert. Schulpflichtüberwachung? Bußgeld? Zuführung? Alter Kram aus dem letzten Jahrhundert, wahrscheinlich schwarze Pädagogik.

  • Ich finde die Gründe dafür, dass Klassenfahrten unbedingt Pflicht sein müssen, ehrlich gesagt nicht besonders überzeugend. Man kann auch freiwillige Schulfahrten anbieten, die dann je nach Interessenslage entweder wahrgenommen werden oder nicht. Da fahren dann sowohl Lehrer als auch Schüler mit, die das wollen und auch Spaß an der Sache haben.

    Kann ich vollkommen nachvollziehen, aber die BASS in NRW sagt eindeutig anderes:

    In das Fahrtenprogramm sind vorrangig Schulfahrten mit allen Schülerinnen und Schülern einer Klassen- bzw. Jahrgangsstufe aufzunehmen.


    Sie werden grundsätzlich im Klassenverband bzw. im Kursverband durchgeführt. Gemäß § 43 Abs. 1 SchulG sind Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme verpflichtet. Auf Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen ist bei der Gestaltung Rücksicht zu nehmen, damit auch für sie die Teilnahme möglich und zumutbar ist. In besonderen Ausnahmefällen ist gemäß § 43 Abs. 4 SchulG eine Befreiung von der Pflicht zur Teilnahme möglich. Ein entsprechender Antrag ist von den Eltern schriftlich zu begründen. Bei mehrtägigen Veranstaltungen wird die Befreiung erteilt, wenn die Eltern auch nach einem Gespräch über Ziele und Inhalt der Klassenfahrt aus religiösen oder gravierenden erzieherischen Gründen bei ihrem Antrag bleiben.

    Schülerinnen und Schüler, die von der Teilnahme befreit sind, besuchen den Unterricht einer anderen Klasse oder eines anderen Kurses. Ist dies nicht möglich, werden ihnen unterrichtsbezogene Aufgaben gestellt.

    https://bass.schule.nrw/288.htm

  • Tatsächlich gibt es zunehmend Eltern, die (gerne kurz) vor der Fahrt noch Bedenken haben und einen Gesprächstermin haben möchten, um z.B. mitzuteilen, dass ihr Kind nachts noch Windeln trägt oder sonstige Besonderheiten hat. Diese ganzen Gespräche (ich bin mir sicher ihr kennt das: Beim Elternsprechtag gibt es bei uns 15 Minuten Gesprächsslots, aber jedes Sondergespräch mit einzelnen Eltern zwischendurch dauert gerne direkt mal 45 Minuten ) hauen zusätzlich rein in das Zeitbudget. Denn gab es früher durchschnittlich vielleicht ein solches Gespräch, so gibt es mittlerweile durchschnittlich eher fünf.

  • Ich rechne das doch nicht gegeneinander auf!!
    Ich antworte auf Tingelteachers Beitrag, dass die Bezirksregierung den Meldungen nicht mehr nachgeht.
    Meine Arbeitszeit ist nicht dehnbar, meine Kapazitäten nicht unendlich. Dies ist bei der Schulleitung und bei der Bezirksregierung dasselbe.
    Also wird priorisiert.
    Schüler*innen zu beschulen ist wohl auf der Prioritätsliste wichtiger als das Exempelstatuieren, weil eine Familie keine Klassenfahrt zulässt, oder?

    Bin ich nicht sicher, nein. Klar ist regelmäßiger Schulbesuch wichtiger, aber für mich trotzdem kein Grund, die mühsam organisierte Fahrt als Angebot zu begreifen. Es geht nicht ums Exempel, sondern dass es selbstverständlich geworden ist, dass ein Drittel einfach davon ausgeht, dass für sie die Gesetze nicht gelten. Bei uns sind Klassenfahrten Pflicht und sie haben auch einen begründeten Wert. Den kann man infrage stellen und Fahrten abschaffen, aber das ist dann halt eine grundsätzliche Frage.

    Aber stimmt, es macht Arbeit und man kann es ignorieren, wenn einem die Kapazitäten fehlen. Ich finde es trotzdem gut zu wissen, dass Gerichte diesen Ersuchen nicht stattgegeben, wenn Eltern wiederum ein Exempel statuieren wollen, weil sie ihre Ideologie über das Kindeswohl stellen.

  • Wenn Fahrten Pflicht sind, ist die Nichtteilnahme ein Verstoß gegen die Schulpflicht, der auch entsprechend sanktioniert werden sollte. Darum sollte sich aber die einzelne Lehrkraft keine Gedanken machen müssen, die muss das weiter geben und dann sollte es in der Schule einen konsequenten Umgang mit Schulpflichtverstößen geben.

  • Ja, das ist natürlich richtig. Als Schule sind wir aber zunehmend in der Situation, dass wir Fehlzeiten halt nur noch schulterzuckend dokumentieren können, in Extremfällen weitermelden, und auch dann nur schulterzuckend zur Kenntnis nehmen können dass nix passiert. Schulpflichtüberwachung? Bußgeld? Zuführung? Alter Kram aus dem letzten Jahrhundert, wahrscheinlich schwarze Pädagogik.

    Ja, das ist so. Ich bin nicht in der Position, das zu ändern und werde mich daran auch nicht aufreiben. Viele Dinge nerven mich am Schulsystem, ich hätte 1000 Ideen, wie es anders gehen könnte. Ich bin aber keine Bildungsministerin. Daher arbeite ich mit den Rahmenbedingungen, die mir vorgegeben werden. Wenn ich mal Gelegenheit habe, das an höherer Stelle vorzubringen, mache ich das. Hat auch schon mal geholfen. Aber ansonsten arbeite ich mit dem, was ich habe und in meiner regulären Arbeitszeit, die 41- 46 Stunden beträgt. Der Dienstherr will das anscheinend so.

    Diese Bußgeldsache und Zuführung und so sind ja auch nur Herumdoktern an Symptomen. Wird da direkt früher eingegriffen und Arbeit/Geld/Ressourcen jeglicher Art in Elementar- und Primarstufe sowie Förderschulen bzw. Inklusion gesteckt, kommt es bei vielen womöglich gar nicht mehr so weit.

  • Am Berufskolleg haben einige SuS übrigens plötzlich eine Lobby. Die Industrie und das Handwerk merken plötzlich, dass die Azubis fehlen. Huch! Dann wenden sie sich ans Wirtschaftsministerium, dass sich dann tolle Sachen und Projekte und zusätzliche Praktika und und und ausdenkt. Wir sollen es dann in einjährigen Bildungsgängen richten. Die haben noch nicht kapiert, dass das Kind längst in den 10 Schuljahren vorher in den Brunnen gefallen ist. Bei uns ist dann nur noch bei einigen wenigen der SUS was zu machen.

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