Zweifel am Lehramtsstudium

  • Einen geraden Einleitungssatz schreiben ist dafür noch immer eine Herausforderung.

    "Der Text ... [blablabla] ... geht es um ..."

    Bei uns darf daher die PPP kaum benotet werden, entscheidend ist das Kolloquium.

    Laut Auskunft der hiesigen SL gab es angesichts der neuen Regelungen für die Oberstufe in NRW mit ihren verschiedenen neuen Prüfungsformaten die mündliche Empfehlung aus dem Ministerium, für die Erstellung der Prüfungen zur Arbeitserleichterung großflächig KI zu nutzen. Die Annahme, dass dies erfolgen werde, sei bereits bei der Planung berücksichtigt worden.

  • Die KI ist ein Hilfsmittel. Im Zweifel muss man aber in der Lage sein, mit eigenen Mitteln die Lösung zu ermitteln, und da gehört auch dazu, in der Lage zu sein, überprüfen zu können, ob das Ergebnis, das die KI ausspuckt, korrekt ist. Es gibt KIs, die behaupten, das Wort "strawberry" enthalte 2x den Buchstaben "r". Wenn ich nicht in der Lage bin, das gegenzuprüfen, übernehme ich potentiell fehlerhafte Inhalte und halte diese womöglich noch für richtig - hat ja die KI gesagt.

    Noch einmal zu der fachlichen Tiefe: Dazu empfehle ich einen Blick in die Curricula der Sek I als Grundlage unseres Unterrichts. Wer sich diese mal genau durchliest, wird feststellen, dass auch in der Sek I durchaus ein gewisses Niveau dahintersteckt - es wird nicht 5-6 Jahre lang nur geklatscht und gemalt. Aber klar, je höher die Jahrgangsstufe, desto höher auch der fachliche Anspruch.

  • Keine dieser Kompetenzen bereichert nennenswert unseren gemeinsamen Schulalltag.

    Vorträge zu halten wurde nunmal von ihnen verlangt, weil man es für zukunftsträchtig hielt.

    Da der Schulalltag sich aber grundsätzlich nicht zu dem von 1926 geändert hat, muss man sich schon fragen, ob Schule doch auch um ihrer selbst Willen genau so weiterexistiert. Die Gesellschaft ändert sich ja durchaus, da kommen wir alle kaum hinterher, aber die Kinder sollen den Spagat hinkriegen und kompensieren?

    Es ist nur wenige Jahre her, dass beschlossen wurde, jedes Kind müsse schon in der Grundschule unbedingt ein iPad nutzen und für hunderte Millionen € wurden Leihgerate angeschafft. Die Idee wurde schnell zur Schnapsidee erklärt.

    An vielen Schulen findet mangels Lehrkräften kein Informatik statt, währenddessen werden im realen Leben längst Arbeitsplätze durch KI ersetzt.

    Absurd: Es gibt nur wenige Berufe, die man jetzt ergreifen kann, von denen absehbar ist, dass sie in 5 Jahren noch so existieren und dazu zählt das Lehramt. Studiere Latein auf Gym und du hast zukunftsträchtig für dich bis zur Pension abgesichert. Was deine 15-Jährigen SuS brauchen ist egal, Hauptsache, sie bereichern den Mikrokosmos der Lateinlehrerin.

  • Ich habe bis vor ein paar Tagen noch gedacht, dass mein Job, so wie er jetzt ist, relativ sicher vor KI-Ersetzung ist. Aber diese Schule zeigt, wo die Reise ggf hingehen kann.

    https://alpha.school/the-program/

    Allerdings ist Deutschland so träge, dass ich es nicht mehr erleben werde.

    So schwierig für die, die jetzt einen Beruf wählen müssen.

    Eins ist sicher: die Kompetenz, eine PowerPoint zu erstellen, ist jedenfalls unsinnig geworden.

  • Eins ist sicher: die Kompetenz, eine PowerPoint zu erstellen, ist jedenfalls unsinnig geworden.

    Aber sie zu präsentieren (ist irgendwas zu präsentieren) bleibt doch weiter wichtig...

    Es geht doch bei der ppp nicht um die ppp an sich (den Inhalt griffig zusammenzufassen, ja, das übernimmt wohl die ki), sich aber hinzustellen und in flüssigen Sätzen das vortragen, was da steht, das bleibt.

    Und das soll ja auch damit geübt werden.

  • "Der Text ... [blablabla] ... geht es um ..."

    Für "In dem Text geht es um..." gibt es schon den ersten sprachlichen Minuspunkt.

    Weiter: "Nein, von Bülows Rede wurde nicht 1980 von Peter Schmidt gehalten, das sind Erscheinungsjahr und Herausgeber des Quellenbandes."

    Abschließend: "Ja, und, liebe Kinder, worum geht es denn in dem Text?" Da gucken manche dann wie ein Auto.

    Aber sie zu präsentieren (ist irgendwas zu präsentieren) bleibt doch weiter wichtig...

    Es geht doch bei der ppp nicht um die ppp an sich (den Inhalt griffig zusammenzufassen, ja, das übernimmt wohl die ki), sich aber hinzustellen und in flüssigen Sätzen das vortragen, was da steht, das bleibt.

    Und das soll ja auch damit geübt werden.

    Einfach das von der KI erstellte Lernvideo anmachen...

    Man fragt sich, wofür das gut ist.

  • Einfach das von der KI erstellte Lernvideo anmachen...

    Du meinst, das Präsentieren wird komplett verschwinden? Alles auf youtube, tiktok, Film, Snapchat, insta, Produktpräsentieren... Alle Protagonisten werden durch ki ersetzt?

    Für deine These spricht, dass immer mehr Filme mit ki generierten Figuren gedreht werden (in China zB jetzt schon).

  • Ja, es wird vieles verschwinden. Sogar Informatiker braucht man nicht mehr so viele. Die KI ist oft besser und schneller. Schade um die anspruchsvollen Studiengänge, wir werden immer mehr verblöden.

    OT: Wer lernt heute z.B. überhaupt noch Latein? Braucht man alles nicht? Was braucht man denn eigentlich überhaupt? In China gibt es schon Roboter, die alte Menschen pflegen oder mit ihnen Schach spielen...

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Du meinst, das Präsentieren wird komplett verschwinden? Alles auf youtube, tiktok, Film, Snapchat, insta, Produktpräsentieren... Alle Protagonisten werden durch ki ersetzt?

    Für deine These spricht, dass immer mehr Filme mit ki generierten Figuren gedreht werden (in China zB jetzt schon).

    Im deutschen Schulsystem sicher nicht, jedenfalls nicht vor meiner Pension. In NRW haben wir ja die tolle Präsentationsprüfung im fünften Abifach noch vor uns.

    Ob im Internet alles nur noch aus KI bestehen wird, weiß ich auch nicht. Es ist aber schon einige Zeit so, dass auf Youtube vollkommen mit KI erstellte Kanäle unterwegs sind. Wieder andere werben mit KI-freien Inhalten wie mit einem Biosiegel. Facebook ist ja auch komplett von KI geoneshottet. Jedenfalls sieht es immer so aus, wenn ich bei meiner Mutter was am Handy richten soll und die Tabs aufmache. Kürzlich sah ich auch mal wieder TV-Werbung, da erschien der Hinweis der Werbeclip sei "durch KI unterstützt". Wie überhaupt Gesellschaft und Kultur wird sich auch das Internet weiter fragmentieren, KI und KI-frei.

    Man fragt sich, wofür das gut ist.

  • Aber sie zu präsentieren (ist irgendwas zu präsentieren) bleibt doch weiter wichtig...

    Es geht doch bei der ppp nicht um die ppp an sich (den Inhalt griffig zusammenzufassen, ja, das übernimmt wohl die ki), sich aber hinzustellen und in flüssigen Sätzen das vortragen, was da steht, das bleibt.

    Und das soll ja auch damit geübt werden.

    Flüssig in ganzen Sätzen zu sprechen wird hoffentlich auch ohne ppt und schon früher gelernt.

    Und ich hatte bislang schon gedacht, dass es bei einer Präsentation darum geht, etwas zu präsentieren, worüber man sich vorher informiert und das man strukturiert aufgearbeitet hat.

    Powerpoint ist doch bloß ein Medium wie ein Plakat. Es zu bedienen ist auch so simpel wie ein Plakat zu bekleben. Vorher sollte man aber Quellen lesen, das Thema gliedern, Veranschaulichen, Grafiken anpassen oder passende einfügen, zitieren usw., wenn man das eine KI machen lässt hat man a) nichts gelernt und kann b) überhaupt nicht beurteilen, was da steht.

  • Was bringt es, über die Zukunft zu spekulieren? Vor 5 Jahren dachte kaum jemand an KI, jetzt halten Fachleute es für möglich, dass KI-Agenten in naher Zukunft die Herrschaft übernehmen und man den Stecker ziehen muss (aber selbst das könnten KI-Agenten evtl. verhindern). Wer weiß, ob in 2 Jahren noch ein Internet existiert ähnlich wie wir es kennen?

    Ich denke, dass Bildung ermöglichen muss, flexibel auf Anforderungen zu reagieren. Ich vergleiche es für meine SuS oft mit einem Werkzeugkasten, je mehr Werkzeug, Wissen oder Methoden vorhanden sind, umso besser kann man auf ein neues Problem reagieren. Es ist naiv zu glauben, dass einmal erlerntes für das Leben reicht.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Hmm, ja man kann die KI nutzen, damit sie zu bestimmten Themen eine Präsentation erarbeitet. Jetzt hat man aber auch die Aufgabe so zu prompten, dass die KI mir verlässliche Quellen nennt. Und selbst danach bleibt die Aufgabe die Quellen zu überprüfen. Nicht selten hat die KI mir präzise Angaben gemacht zu der Frage, wo in welchen Paragraphen was niedergelegt ist. Leider behandelten die angegebenen Gesetztestexte einen vollkommen anderen Sachverhalt.

    Und dann muss man natürlich eine Präsentation die eine KI erstellt hat auch selber verstehen. Ich kann keine Fachbegriffe da stehen haben deren Bedeutung ich nicht verstehen. Ich muss mich also mit meiner eigenen Präsentation auseinander setzen. Das war schon zu Wikipedia Zeiten der Fall.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Aber sie zu präsentieren (ist irgendwas zu präsentieren) bleibt doch weiter wichtig...

    Es geht doch bei der ppp nicht um die ppp an sich (den Inhalt griffig zusammenzufassen, ja, das übernimmt wohl die ki), sich aber hinzustellen und in flüssigen Sätzen das vortragen, was da steht, das bleibt.

    Und das soll ja auch damit geübt werden.

    Wozu braucht es noch einen Menschen, um einen (inzwischen meist) mit KI zusammengestellten Inhalt, der in einer KI-generierten PPP aufbereitet ist, runterzuplappern? Ernst gemeinte Frage. Die Präsentation kann die KI eigentlich auch direkt selbst halten.


    Mich stört beim Fokus auf Kompetenzen wie Präsentationen, Filme etc., dass Schüler zwar zunehmend hübsche Verpackungen herstellen können, das inhaltliche Fachwissen aber immer miserabler wird. Mir erschließt sich der Wert nicht.

    Absurd: Es gibt nur wenige Berufe, die man jetzt ergreifen kann, von denen absehbar ist, dass sie in 5 Jahren noch so existieren und dazu zählt das Lehramt. Studiere Latein auf Gym und du hast zukunftsträchtig für dich bis zur Pension abgesichert. Was deine 15-Jährigen SuS brauchen ist egal, Hauptsache, sie bereichern den Mikrokosmos der Lateinlehrerin.

    Was brauchen sie denn? Du beschreibst sehr richtig, dass man vor Kurzem noch dachte, Präsentationen und Informtionsaufbereitung seien wichtig. Beides wird gerade zunehmend überflüssig.

    Die Lateinlehrerin fühlt ihren Mikrokosmos vermutlich bereichert durch Basisfähigkeiten wie sinnerfassendes Lesen, verständliches Schreiben, die Fähigkeit zuzuhören und erfolgreich zu denken, kultiviertes Miteinander - ich persönlich finde das alles universell nach wie vor sehr brauchbar. Gerade in einer sich wandelnden Berufswelt, die flexible Reaktion auf inhaltliche Veränderungen erfordert.

  • Vielleicht wird KI irgendwann verboten. Vielleicht übernimmt sie die Weltherrschaft. Wer weiß. Wichtig ist bei schulischer Bildung eine gewisse zeitliche Unabhängigkeit, sodass Heranwachsende eine solide Grundbildung mitbringen, auf deren Basis sie dann wiederum das Wissen aufbauen können, was für ihren individuellen Lebenslauf (denn selbst Schüler (m/w/d), die jetzt in die gleiche Klasse gehen, werden in 20 Jahren nicht alle am selben Punkt im Leben stehen und mit denselben Herausforderungen konfrontiert sein.) relevant sein wird.

    Aus dem Grund wird es auch immer wichtig sein, dass Schüler (m/w/d) wissen, wie etwas früher gemacht wurde und dass die Zeitrechnung nicht erst vor 5 Jahren begonnen. Die historische Entwicklung ist wichtig, um zu verstehen, wie es zum Ist-Zustand gekommen ist, und zwar nicht nur in Politik und Geschichte, sondern natürlich auch in den Sprachen, modernen Künsten und Naturwissenschaften.

Werbung