Zweifel am Lehramtsstudium

  • Kris24

    In deinen Fächern ist Nichtwissen auch schnell ziemlich zweifelsfrei entlarvt, würde ich meinen. In Sprachen und Gesellschaftswissenschaften sind die meisten Schüler in der Lage, zumindest so viel zusammenzulabern, dass es noch irgendwie "nicht nichts" ist. Insbesondere außerhalb der gymnasialen Oberstufe, wo die Inhalte meist doch sehr trivial sind.

    Einverstanden, nur für irgendwas labern würde ich keine 2 geben, vielleicht eine 4?

    Und wie hast du es früher mit Hilfe von Eltern gehandhabt? Das Problem hatte ich schon vor 30 Jahren.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Wozu braucht es noch einen Menschen, um einen (inzwischen meist) mit KI zusammengestellten Inhalt, der in einer KI-generierten PPP aufbereitet ist, runterzuplappern? Ernst gemeinte Frage. Die Präsentation kann die KI eigentlich auch direkt selbst halten.

    Mich stört beim Fokus auf Kompetenzen wie Präsentationen, Filme etc., dass Schüler zwar zunehmend hübsche Verpackungen herstellen können, das inhaltliche Fachwissen aber immer miserabler wird. Mir erschließt sich der Wert nicht.

    Was brauchen sie denn? Du beschreibst sehr richtig, dass man vor Kurzem noch dachte, Präsentationen und Informtionsaufbereitung seien wichtig. Beides wird gerade zunehmend überflüssig.

    Ich glaube, es gibt noch viele Berufe, wo das gebraucht wird...

    Autoverkauf, Klamotten, Handwerker, Politiker...

    Steve Jobs, Elon Musk, Obama... Menschen allesamt, die zu überzeugen wissen.

    Dass wieder ein Schritt zurück zu Inhalten und weg von Kompetenzen gemacht werden muss, ist nun sogar in den Köpfen bayerischer Politiker der CSU angekommen, die wieder mehr Auswendiglernen in den Lehrplan schreiben.

  • Ja, sicher. Aber 4 reicht ja.

    Ich habe Präsentationen überwiegend im Unterricht im Computerraum erstellen lassen, wenn wir mal welche gemacht haben. Nie zu Hause. Mein Unterricht war aber auch generell nicht übermäßig auf das ständige Erstellen digitaler Produkte ausgerichtet (schon deswegen, weil meine Schüler keine eigenen mobilen Endgeräte hatten). Dann gab es eine Übergangszeit, wo es cool und besonders war, MAL eine Filmszene oder Reportage zu drehen oder ein Padlet zu erstellen oder dergleichen. Auch das haben wir in der Unterrichtszeit gemacht und funktionierte auf Basis vorausgegangener analoger Erarbeitung von Inhalten.

    In den letzten 2-3 Jahren überspringen (zumindest meine) Schüler, ausgestattet mit uneingeschränkt nutzbaren Tablets und daueronline, den Schritt zunehmend und verlassen sich komplett auf KI. Optisch ist zweifellos alles sehr sehr viel hübscher geworden, Lernen findet allerdings kaum mehr statt. ich finde die Entwicklung wirklich gruselig.

  • Ich glaube, es gibt noch viele Berufe, wo das gebraucht wird...

    Autoverkauf, Klamotten, Handwerker, Politiker...

    Steve Jobs, Elon Musk, Obama... Menschen allesamt, die zu überzeugen wissen.

    Einverstanden für den Bereich Sales. Aber auch nur dort, wo face to face verkauft wird und solange Investitionsentscheidungen noch maßgeblich von Menschen getroffen werden (könnte mir vorstellen, dass das in vielen Firmen zunehmend an Relevanz verliert).

  • Der face to face Verkauf wird aber wichtig bleiben. Sicher. Eun USB C Kabel kann ich online bestellen und benötige keinen Verkäufer. Spätestens bei Erklärungsbedürftigen Produkten wird das immer wichtig bleiben insbesondere wenn auch Qualität eine Rolle spielt .

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Ich habe bis vor ein paar Tagen noch gedacht, dass mein Job, so wie er jetzt ist, relativ sicher vor KI-Ersetzung ist. Aber diese Schule zeigt, wo die Reise ggf hingehen kann.

    https://alpha.school/the-program/

    Dieses Schulnetzwerk zeigt vor allem, dass man durch Ausschluss nahezu aller normaler Leute und ein 5:1 Betreuungsverhältnis (so viel zu Ersatz der Lehrpersonen), eine ziemlich elitäre Schülerschaft haben kann, die dann natürlich auch entsprechend weit oben in Vergleichstests platziert ist.

  • Kris24

    In deinen Fächern ist Nichtwissen auch schnell ziemlich zweifelsfrei entlarvt, würde ich meinen. In Sprachen und Gesellschaftswissenschaften sind die meisten Schüler in der Lage, zumindest so viel zusammenzulabern, dass es noch irgendwie "nicht nichts" ist. Insbesondere außerhalb der gymnasialen Oberstufe, wo die Inhalte meist doch sehr trivial sind.

    Da sind aber auch die Kollegen (m/w/d) der Sprachen und Gesellschaftswissenschaften Schuld, wenn sie Gelaber durchwinken, denn auch in diesen Fächern gibt es Fachbegriffe und Methodiken, die in Leistungsnachweisen korrekt angewandt werden sollten. Wer rein aus einer Lebenserfahrung und moralischen Vorstellungen heraus schreibt, zeigt aus meiner Sicht, dass das jeweilige fachliche Thema nur unzureichend verstanden wurde.

  • Fände ich sehr bevormundend. Ist doch meine Sache.

    Sie verbietet es ja und nicht, sie empfiehlt es und warnt uns, dass wir durch Antworten z. B. am Wochenende Erwartungen bei Eltern wecken. Aber wer jeden Rat als Bevormundung auffasst, darf sich später nicht über die Folgen beschweren.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Mich stört beim Fokus auf Kompetenzen wie Präsentationen, Filme etc., dass Schüler zwar zunehmend hübsche Verpackungen herstellen können, das inhaltliche Fachwissen aber immer miserabler wird. Mir erschließt sich der Wert nicht.

    Die Idee dahinter war wohl mal, dass Lehrkräfte nicht nur Filme drehen lassen, sondern der Film als kreatives Medium dazukommt und den Kindern vorher vermittelt wird, was dort hineinkommen soll. Solange derlei Aufgaben nach Hause ausgelagert werden à la "macht mal nen Film" haben vor allem die Eltern was gelernt. An anderer Stelle schreibst du selbst, dass Gesellschaftswissenschaften so schwammig seien und du nicht wüsstest, wie man das bewerten solle- das wäre dann in der Tat ein Problem. Wer kriteriengeleitete Bewertungsraster erstellt, weiß aber doch eigentlich, was er vermitteln will.

    ...Die Lateinlehrerin fühlt ihren Mikrokosmos vermutlich bereichert durch Basisfähigkeiten wie sinnerfassendes Lesen, verständliches Schreiben, die Fähigkeit zuzuhören und erfolgreich zu denken, kultiviertes Miteinander - ich persönlich finde das alles universell nach wie vor sehr brauchbar. Gerade in einer sich wandelnden Berufswelt, die flexible Reaktion auf inhaltliche Veränderungen erfordert.

    Ich würde sagen: jein. Klar, lesen und schreiben zu können wäre in der 10. Klasse wünschenswert. Aber davon ausgehend sollten Studierwillige schon auch noch auf weitere Eventualitäten vorbereitet werden. Allerdings sehe ich diese Kompetenzlehrpläne auch als gescheitert an, Lehrkräfte müssen inhaltlich detailliert wissen, was bis wann zu erwarten sein muss, damit sie ihre Erwartungen nicht runterschrauben und von Eltern nicht so leicht unter Druck gesetzt werden können.

  • Wer kriteriengeleitete Bewertungsraster erstellt, weiß aber doch eigentlich, was er vermitteln will.

    Sag bloß!

    Hat Maylin WIRKLICH geschrieben, sie wisse nicht, wie man das bewertet? Oder liest du das heraus und sie schreibt, dass es in einigen Fächern aufgrund ihrer "Alltagsnähe" keiner besonderen Lernleistung bedarf, um in mündlichen Beiträge eine ausreichende Leistung zu erbringen, die an den Unterricht anknüpft.
    Kein Schüler sagt mitten im Unterricht, dass die Erde flach ist, man Kinder schlagen soll, oder Demokratien einen König haben. Die Differenzierung nach oben ist natürlich ähnlicher.

  • Im Grunde geht es aber schon um die Frage, ob u.a. in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern Fachwissen und -methodik abgefragt und bewertet werden oder es bereits genügt, munter aus dem Alltag zu plaudern. Letzteres können Schüler (m/w/d) im Zweifelsfall auch ohne die Schule, bei ersterem ist aber die Schule gefragt, sowohl in der Vermittlung etwaiger Inhalte als auch in der anschließenden Überprüfung des erworbenen Lernstandes.

  • An anderer Stelle schreibst du selbst, dass Gesellschaftswissenschaften so schwammig seien und du nicht wüsstest, wie man das bewerten solle- das wäre dann in der Tat ein Problem. Wer kriteriengeleitete Bewertungsraster erstellt, weiß aber doch eigentlich, was er vermitteln will.

    Hui, stop. Das habe ich nicht geschrieben. Man stößt aber an Grenzen, wenn man nach der Präsentation eines digitalen Lernprodukts herausfinden möchte, ob die Schüler wirklich sattelfest im Thema sind oder nicht, weil die Themen nunmal häufig nicht sonderlich komplex sind und Alltagswissen + das, was die KI gemacht hat (sofern man das wenigstens kurz überflogen hat), oft ausreichen, um "ein bisschen was" zum Thema sagen zu können. Und damit lässt sich eine Note, die unterhalb von ausreichend liegt, meines Erachtens eben meist schwer stichhaltig begründen. Vielen reicht das. Unterm Strich ist der Lernerfolg gegenüber den Jahrgängen von vor 5 oder 10 Jahren aber deutlich rückläufig, was sich in den Noten allerdings nicht spiegelt.

    Ich hätte am liebsten wieder einen internetfreien Unterrichtsraum, in dem ich den Zugriff auf Onlinetools bewusst und zielgerichtet steuern kann. Kann ich aber nicht und es macht einfach vieles kaputt. Ich habe im LK Leute sitzen, die grundsätzlich jeden Text fotografieren und von KI zusammenfassen lassen, weil "ich lese doch keine zwei Seiten"... ich weiß langsam nicht mehr, wie man mit dieser an der KI klebenden Schülergeneration sinnvoll arbeiten kann. Mehr als appellieren und Geräte zuklappen lassen kann ich nicht, sie nutzen die aber trotzdem ständig irgendwie und außerdem dürfen sie iPads als Heftersatz verwenden, also lässt sich die Gerätenutzung sowieso nur bedingt eingrenzen. In meinen Kursen hat die KI Nutzung seit letztem Jahr Dimensionen angenommen, die bei vielen einfach nur in ultimativer Vollverblödung endet. Ich hatte noch nie so "denkunfähige" Kurse, wie seit Einzug der KI. Aber ja, sie präsentieren sehr selbstbewusst und mit hübschen Canva-Layouts.

  • Im Grunde geht es aber schon um die Frage, ob u.a. in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern Fachwissen und -methodik abgefragt und bewertet werden oder es bereits genügt, munter aus dem Alltag zu plaudern. Letzteres können Schüler (m/w/d) im Zweifelsfall auch ohne die Schule, bei ersterem ist aber die Schule gefragt, sowohl in der Vermittlung etwaiger Inhalte als auch in der anschließenden Überprüfung des erworbenen Lernstandes.

    Gerade Sek I Themen sind aber doch oft noch mehr oder weniger Alltagsgeplauder, weil die gesamte Sek I letztlich Vermittlung von Allgemeinwissen ist.

  • Hier herrscht ganz schön schlechte Meinung über diese Generation. Als hätten wir es anders gemacht.

    Und doch werden sie irgendwie ihren Weg finden.

    Ich erlebe das übrigens nicht ganz so wie hier geschildert.. Ich habe sehr interessierte SuS, die durchaus auch sehr informiert und kritisch sind. Jedenfalls mehr als ich war in ihrem Alter.

  • Gerade Sek I Themen sind aber doch oft noch mehr oder weniger Alltagsgeplauder, weil die gesamte Sek I letztlich Vermittlung von Allgemeinwissen ist.

    Fällt dir dazu ein konkretes Beispiel ein? Ich hätte nämlich behauptet, dass gerade in der Sek I das Gegenteil der Fall ist, nämlich dass es hier gut möglich ist, konkretes Fachwissen abzufragen.

  • Gerade Sek I Themen sind aber doch oft noch mehr oder weniger Alltagsgeplauder, weil die gesamte Sek I letztlich Vermittlung von Allgemeinwissen ist.

    Für studierte Erwachsene mag das so sein. Ich weiß aber nicht, ob Urban II. in deinem Alltagsgeplauder eine größere Rolle einnimmt. Jedenfalls kam es noch nicht vor, dass mir ein Schüler locker flockig erzählt hat, was in seiner Rede steht, während ich mir zufrieden über den Bart streiche. Wenn Schüler seine Rede lesen, verstehen die erstmal nur Bahnhof und müssen sich Satz für Satz durchkämpfen. Und da sind wir noch in AFB I.

    Dass man in den Gesellschaftswissenschaften nur heiße Luft erzeugen müsste, damit Lehrer in Jubelarien ausbrechen, glauben wirklich nur Schüler oder Ahnungslose.

    In den Fremdsprachen würde ich dir Recht geben, die Themen sind wirklich stinklangweilig. Auch in der Sek II. Das ist auch in Ordnung, schließlich sind die Themen nur Vehikel für Sprachproduktion.

    Man fragt sich, wofür das gut ist.

  • Also wenn du nicht komplett unterdurchschnittlich kognitiv unterwegs bist, dann checkst du Angebot und Nachfrage im Unterricht und du brauchst keine große Lernerei, um es in der Woche darauf grob wieder zu geben. Reicht für ne 4.

  • Instafähiges Blendwerk. Aber die heutige Generation möchte blenden und geblendet werden...

    In den nächsten Wochen stehen wieder viele außerunterrichtliche Aktionen an. Wir brauchen doch Bilder für die Schulhomepage und den Tag der offenen Tür.

    Man fragt sich, wofür das gut ist.

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