Was bedeutet eigentlich "Hausaufgabenkontrolle" (für dich) ?

  • Liebe Kollegen,


    in einer anderen Diskussion kamen wir auf das Thema Hausaufgaben. Ich höre immer wieder Beschwerden von Eltern, dass die Lehrer die Hausaufgaben nicht kontrollieren. Das kann ich mir eigentlich gar nicht recht vorstellen. Es ist ja klar, dass dann immer mehr Kinder die Hausaufgaben nicht machen. Wir haben schon festgestellt, dass man ganz Verschiedenes unter Hausaufgabenkontrolle verstehen kann. Wie ist es für dich / bei dir?


    Hausaufgabenkontrolle bedeutet bei dir:


    a) Der Lehrer kontrolliert, ob die Hausaufgaben gemacht wurden (mehr nicht).


    b) Der Lehrer vergleicht die Hausaufgaben mit der Klasse gemeinsam (im Plenum).


    c) Der Lehrer sammelt die Hausaufgaben ein und kontrolliert sie auf Inhalt u/o. Rechtschreibung u/o. Grammatik.


    d) Der Lehrer kontrolliert die Hausaufgaben auf Inhalt u/o. Rechtschreibung u/o. Grammatik und verlangt eine Berichtigung. Die Berichtigung kontrolliert er auch (und verlangt ggf. eine neue Berichtigung usw. ?).


    Sicherlich sind verschiedene Mischformen möglich.


    Mich interessiert auch, in welchen Alters- bzw. Klassenstufen was nötig und möglich ist.


    Was sagt ihr?

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Wie ist es für dich / bei dir?
    Hausaufgabenkontrolle bedeutet bei dir:


    b) Der Lehrer vergleicht die Hausaufgaben mit der Klasse gemeinsam (im Plenum).

    Ich möchte meine Schüler ab der Oberstufe zur Studierfähigkeit erziehen. Wer sich entscheidet die freiwilligen Hausaufgaben nicht zu machen muss mit den Konsequenzen leben.

  • Grundschule von a) - d) kann alles vorkommen. Manchmal kontrolliere ich auch gar nicht ob sie gemacht wurden. Beispiel: Meine 4. Klasse hat 1 Woche vor der Klassenarbeit von mir Übungszettel bekommen. Meine Worte: Das ist deine Vorbereitung auf die Klassenarbeit. Ich werde sie nicht kontrollieren. Es ist deine Entscheidung ob und was du üben musst/möchtest.


    LG Anja

  • Wir haben die Hausaufgaben durch Aufgaben ersetzt, die in der Schule während einer Freiarbeitsstunde gemacht werden, aber das Problem ist das gleiche.


    Kontrolle heißt bei uns zweierlei:
    1. Der Lehrer verschafft sich einen Überblick, was und wie viel die Schüler geschafft haben.
    2. Die Schüler bekommen eine Möglichkeit, die Richtigkeit ihrer Aufgaben zu überprüfen.


    Beides ist meiner Meinung nach notwendig.


    1. mache ich meist per Lernplaner oder Laufzettel.
    2. findet meistens über eine Form der Selbstkontrolle statt. Aufgabenvergleich im Plenum ist in meinen leistungsgemischten Gruppen selten sinnvoll. Stichprobenartig korrigiere und kontrolliere ich einzelne Schüleraufgaben während der Freiarbeitsstunde.

  • Grundschule Klasse 1/2:


    b, c oder d.


    Hin und wieder kontrollieren wir im Plenum,
    allermeistens sammle ich ein und korrigiere alles,
    hin und wieder müssen einzelne Schüler eine HA verbessern bzw. komplett nochmal machen.

  • BK/ Berufliches Gymnasium: Ich mache das wie Landlehrer.
    Ich merke spätestens in der Klausur wer die Hausaufgaben gemacht hat.


    Wer will, kann die HA aber abgeben und dann korrigiere ich sorache und Inhalt. Bei 4 Klassen, die ich je zwei Mal in der Woche sehe, sind das maximal 5 Hausaufgaben pro Monat.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • e) Der Lehrer fragt, ob es Fragen zu den Hausaufgaben gibt. Falls ja, werden diese im Plenum besprochen. Falls nein, geht es weiter im Thema (und es ist dem Lehrer egal, ob keine Fragen weil alles klar, oder keine Fragen weil Aufgaben nicht gemacht - meine Lernenden sind erwachsen und müssen mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen leben).

  • Grundschule 3/4: wie Katie.


    In Klasse 4 gewinnt b) an Bedeutung.


    Bei den Hausaufgaben muss die Eigenverantwortlichkeit Stück für Stück aufgebaut werden. Deswegen wird man in der Grundschule eher die Variante c) und d) vorfinden und ab Klasse 5 eher a) und b).

  • Klasse 5/6:
    Fast immer d). Bei meinen sieben SuS geht das aber auch recht schnell. Falls zu viele es falsch gemacht haben, dann b) oder kurzes Erklären für diejenigen. Die SuS korrigieren es dann direkt.

  • Ich möchte meine Schüler ab der Oberstufe zur Studierfähigkeit erziehen. Wer sich entscheidet die freiwilligen Hausaufgaben nicht zu machen muss mit den Konsequenzen leben.

    OT, aber mich würde interessieren, was du unter Studierfähigkeit in dem Zusammenhang verstehst. Hintergrund dessen ist, dass ich dieses Semester ein Tutorium für Erstsemesterstudenten leite und diese verpflichtende Hausaufgaben bekommen, die sie abgeben und nach einer Woche korrigiert zurückbekommen. Einige Studenten haben das bis jetzt auch super hinbekommen, bei anderen Studenten hapert es an vielen (!) Stellen und es stellt schon eine Herausforderung dar, die Aufgabenstellung richtig zu lesen. Beim nächsten Treffen werde ich daher noch einmal intensiv darauf eingehen, wie man ordentlich Hausaufgaben bearbeitet. Im Umkehrschluss frage ich mich, ob Schüler in der Oberstufe in ausreichendem Maße darauf vorbereitet werden, eigenständig Hausaufgaben zu bearbeiten, wenn die Vorstellung von Studienanfängern hierzu scheinbar derart heterogen ist.

    • Offizieller Beitrag

    Grundschule Klasse 4:
    Alles von a bis d.
    a) selten: Wenn die Aufgabe anschließend noch verwendet wird und z.B. eine Vorbereitungsaufgabe für die Arbeit in der Stunde war,
    b) häufig: Wenn ich weiß, einige Kinder sind noch unsicher, Problem: Differenzierte Aufgaben.
    c) häufiger, durch die Zusatzaufgaben momentan kaum schaffbar. Daher sammle ich derzeit manchmal von ein paar Kindern Aufgaben ein und bewerte sie - besonders bei Abschreibübungen, Aufgaben mit Selbstkontrolle und Aufgaben, die der Festigung dienen, also die Plenumskontrolle nicht unbedingt absolut nötig ist.
    d) Nur manchmal, wenn ich es zeitlich schaffe. Dann eher auch nur von ein paar Kindern mit Berichtigung, die sehr viele Fehler haben.
    e) Partnerkontrolle: Kinder tauschen die Hefte und kontrollieren oder sie kontrollieren gemeinsam ihre Hausaufgaben. Manchmal. Sollte ich häufiger machen. :)

  • Beim nächsten Treffen werde ich daher noch einmal intensiv darauf eingehen, wie man ordentlich Hausaufgaben bearbeitet. Im Umkehrschluss frage ich mich, ob Schüler in der Oberstufe in ausreichendem Maße darauf vorbereitet werden, eigenständig Hausaufgaben zu bearbeiten, wenn die Vorstellung von Studienanfängern hierzu scheinbar derart heterogen ist.

    :musik: :musik: :musik:

  • Bei mir auch von a) - d)


    a) Ich gehe nur durch und hake ab. Zum Beispiel, wenn eine Zeichnung angefertigt werden sollte.


    b) Wenn nur Ergebnisse verglichen werden sollen, z.B. 20 Aufgaben zum Umwandeln von Längeneinheiten. Die Methoden variieren aber: Mal lese ich die Ergebnisse vor, mal Schüler oder ich lege eine Lösungsfolie auf,...
    Bei Unklarheiten werden die Aufgaben genauer (auch an der Tafel) besprochen.


    c) Von Zeit zu Zeit sammele ich schon die Hefte ein und kontrolliere die Hausaufgaben genauer. Dann schaue ich mir genau die Rechenwege und die Fehlerstruktur an (typische Fehler eines Schülers). Das mache ich vor Schularbeiten (in Deutschland Klassenarbeiten), um Schüler besser beraten zu können.


    d) Bei hoher Fehleranzahl verlange ich eine Verbesserung der Hausaufgabe. Oder auch wenn sie katastrophal unordentlich gemacht wurden.


    Was nötig ist, mache ich von der jeweiligen Klasse abhängig. Das kann auch innerhalb einer Stufe variieren.
    Was möglich ist? Den Schülern klar machen, dass Hausaufgaben zum Lernprozess gehören und sie HA als Übungschance betrachen sollen (Klappt meistens ganz gut - ca. 95% der HA werden bei mir rechtzeitig erledigt, der Rest bringt sie spätestens zum nächsten Tag vor der ersten Stunde).

  • Grundschule 3/4: wie Katie.


    In Klasse 4 gewinnt b) an Bedeutung.


    Bei den Hausaufgaben muss die Eigenverantwortlichkeit Stück für Stück aufgebaut werden. Deswegen wird man in der Grundschule eher die Variante c) und d) vorfinden und ab Klasse 5 eher a) und b).


    @Caro07, das sehe ich auch so.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • @ alle,


    danke für die Meinungsäußerungen. Jetzt fühle ich mich wieder besser. :)


    Es zeichnet sich doch ein Bild ab, dass sowohl zwischen den Aufgaben und den Alters- bzw. Klassenstufen und manchmal auch zwischen den verschiedenen Schülern differenziert wird - in Richtung wachsende Selbstständigkeit und zunehmende Selbstverantwortlichkeit.


    Das finde ich richtig.


    Viele Eltern machen es ja eigentlich ähnlich. Sie kontrollieren von Jahr zu Jahr immer weniger, aber wenn sie merken, es klappt nicht (Rückmeldung durch uns), dann gehen sie wieder einen Schritt zurück und kontrollieren mehr, um nach und nach die Kontrolle wieder zurückzufahren. So soll es sein.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Hausaufgabenkontrolle bedeutet bei dir:


    [...]
    Mich interessiert auch, in welchen Alters- bzw. Klassenstufen was nötig und möglich ist.


    Was sagt ihr?


    Moin,
    also ich unterscheide zwischen Azubis in Berufsschulklassen und Schülern in den Vollzeitklassen. Bei den Azubis ist es mir ehrlich gesagt wichtiger, daß sie ausgeschlafen in den Unterricht kommen. Da haben wir z.T. damit zu kämpfen, daß sie die 11 bzw. 12 Stunden Ruhezeit vorab einhalten. Da verzichte ich entsprechend auf Hausaufgaben.


    Bei den Vollzeitklassen sind Hausaufgaben meiner Meinung nach auch ein zweischneidiges Schwert. Also den Azubis/Schülern Aufgaben zu geben ist eine Sache, aber das alles im Unterricht zu kontrollieren eine ganz andere. Das Problem dabei ist doch, daß dafür extrem viel Unterrichtszeit zur Kontrolle verloren geht. Also was nutzen mir Hausaufgaben (allein für mein Fach) im Umfang von 30 Minuten, wenn ich später im Unterricht ebenfalls 30 Minuten einer Doppelstunde benötige, um die Schülererarbeitungen zu kontrollieren?
    Was natürlich gut geht, wenn man das Thema der Hausaufgaben in der nächsten Stunde wieder aufgreifen kann und so die Schüler, die die Aufgaben gemacht haben, entsprechende Vorteile bei der sonstigen Mitarbeit haben. ;)

Werbung