Vertretung und Ausfall

  • Hallo zusammen,

    diesen Post schreibe ich als Mutter, die eine Frage an die Gymnasiallehrkräfte hier im Forum hat. Folgende Situation: meine Kinder besuchen das hiesige Gymnasium, an dem Lehrkräftemangel herrscht (stand in der Zeitung und wird auch immer wieder bei allen sich bietenden Gelegenheiten erwähnt).

    Aus diesem Grund findet viel Unterricht gar nicht statt bzw. wird epochalisiert.

    Beispiele: nur drei statt vier Englischstunden im 7. Jahrgang, kein Physik in Jahrgang 5 und 8, Religion / WuN nur ein Halbjahr in Jahrgang 5, Sport in fast allen Jahrgängen nur ein Halbjahr, Musik in den Jahrgängen 5-8 nur ein Halbjahr. Vermutlich habe ich einiges vergessen.

    Ich sehe wirklich die Not, die diese Schule hat, aber letzten Endes baden es ja die Schülerinnen und Schüler im Zentralabitur aus. Aber es geht wohl nicht anders.

    Was mir nun aber wirklich aufstößt, ist die Krankheits- / Vertretungsregelung. Das läuft wie folgt: ein Kollege meldet sich krank. Folglich fallen die entsprechenden Stunden aus. Da in der Unterstufte keine Freistunden zulässig sind (ebenso: Kinder müssen in der 2. Std und in der 5. Std Unterricht haben, in der ersten und sechsten Stunde ist Ausfall möglich - so zumindest an diesem Gymnasium), werden Stunden einer anderen Lehrkraft vom Folgetag (oder einem anderen Tag innerhalb der nächsten Woche) vorgezogen,

    Beispiel: Kollege Müller hat Mittwoch in der 1. und 2. Stunde Mathe in der 5a und meldet sich krank. Kollege Meier hat Donnerstag in der 1. und 2. Stunde Deutsch in derselben Klasse.

    Nun läuft es so: die erste Stunde am Mittwoch fällt aus. Die zweite Stunde wird von Herrn Meier vertreten. Dafür fällt aber die erste Stunde am Donnerstag aus, denn er hat sie ja schon am Mittwoch erteilt.

    Es gibt einen massiven Unterrichtsausfall durch diese Praxis. Kind 1 hatte im ersten Halbjahr 34 ausgefallene Stunden (nur die, die nicht vertreten wurden), was mehr als einer ganzen Schulwoche entspricht! Habe ich mal auf WebUntis zusammengezählt.

    Ich muss mal ganz dumm fragen: ist das so üblich? Ich nehme an, diese Praxis ist aus der Not heraus entstanden, aber ich finde es nicht okay. Handhaben das andere Schulen auch so - oder gibt es Alternativen zum massiven Stundenausfall?

    Viele Grüße, nani

  • Das ist bei uns (Gym) leider nicht so.
    Ja, für die Kids ist es richtig blöd. Für die Bildung auch. Ich verstehe es aber auch so, dass das Kind am Donnerstag auch erst später in die Schule kommt.
    Bei uns wird alles vertreten, also haben die KuK 10-12 Überstunden pro Monat. Jeden Monat. Nicht viel weniger für TZ-Leute.

    Und nebenbei: ob eine vertretene / beaufsichtigte Vertretungsstunde was bringt, kann man sich immer fragen.

  • Ja, die gibt es. Das nennt sich dann "Betreuung" und ist rechtlich eher in einer dunkelgrauen Zone angesiedelt. Konkret würde dann eine Lehrkraft zwei Klassen beaufsichtigen und zwischen den (benachbarten) Räumen pendeln.
    Man kann nun diskutieren, ob das eher einer Verwahrung entspricht, oder ob dort - Material vorausgesetzt - sinnvoll und ruhig gearbeitet wird.

    In NRW remonstrieren KollegInnen gegen eine solche Anweisung der Betreuung, um im Unglücksfall nicht haften zu müssen. Die Betreuung müssen sie dann aber dennoch übernehmen.

    Das ist alles mehr als unbefriedigend - aber was wären denn aus Deiner Sicht bessere Alternativen?

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Bei uns fallen Randstunden auch immer aus und wenn es möglich ist, werden andere Stunden vorgezogen. Letzteres geht bei uns selten, weil unsere Schüler ab Klasse 5 verschiedene Profile wählen und wenn Latein ausfällt, Französisch aber nicht, kann nicht vorgezogen werden.

    Ich hatte im letzten Schuljahr auch massiv Vertretung, 12 Stunden Unterricht im Monat mehr klingen für Außenstehende vielleicht nach nicht so viel, aber wenn man nicht nur beaufsichtigt, sondern Unterricht machen möchte, muss man die Vorbereitung mit dazu zählen. Ich schaffe dies gesundheitlich nicht mehr und auch viele meiner Kollegen weigern sich. Es bringt nichts, wenn wir auch noch krank ausfallen. (5 und mehr Stunden mal 2 inkl. Vorbereitung gibt es durchschnittlich trotzdem noch.)

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Wie macht ihr das denn, wenn die Vertretung auf euer Deputat draufkommt? Dann unterrichtet ihr 30-35 Stunden die Woche? Sind das dann Plusstunden, die irgendwann abgebaut werden müssen? Und wenn ja; wann und wie geht das?

  • Wie macht ihr das denn, wenn die Vertretung auf euer Deputat draufkommt? Dann unterrichtet ihr 30-35 Stunden die Woche? Sind das dann Plusstunden, die irgendwann abgebaut werden müssen? Und wenn ja; wann und wie geht das?

    Wenn sie nicht bis zum Ende des Schuljahres abgebaut werden konnten, dann werden sie bei uns mit dem Oktober- oder Novembergehalt ausgezahlt (und es bleibt netto erst einmal wenig übrig).

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  • Ich verstehe das Problem nicht ganz, wenn keine Vertretungsreserve mehr da ist (und das scheint sie nicht zu sein, sonst dürfte man ja die Stundentafel nicht kürzen), kann doch nur ausfallen und das man dann versucht das eben in die Randstunden zu legen und von anderen Tagen Stunden vorzuziehen ist doch auch total normal.

    Wie sollte es anders laufen, wenn niemand da ist, der vertreten kann?!?

  • Bei uns wird das nicht so gemacht und gerade in 5/6 wird in der Regel so vertreten, dass die SuS 6 Stunden Unterricht haben. Das führt aber natürlich zu Plausstunden, die dann auch gezählt und entweder mit Minusstunden gegengerechnet oder irgendwann zu einer Debutatsstunde zusammengefasst werden. Ob das Umsetzbar ist, hängt aber immer von den Gegebenheiten vor Ort ab, wenn alle Lehrkräfte bereits mehr als ihre Regelstudenzahl machen, weil die Schule so schlecht versorgt ist, sind die Möglichkeiten halt irgendwann ausgeschöpft - mehr als 4 Plausstunden pro Woche sind nicht zulässig.

    Allerdings wundert mich, dass ein Gymnasium in Niedersachsen so schlecht versorgt sein soll, dass es zu solchen Problemen kommt, denn grundsätzlich sind Gymnasien in Niedersachsen aktuell ausreichend versorgt. Eigentlich hat Unterricht Vorrang vor AGs und ähnlichem, so dass die Versorgung schon unter 95% fallen muss, bevor Regelunterricht nicht mehr ausgebracht wird. Hier würde ich ansetzen und die Elternvertretung sollte klären, wie die tatsächliche Versorgung ist und ggf. bei der Behörde massiv Druck machen. Wenn die Versorgung tatsächlich so schlecht ist, muss die Schule kurzfristig Abordnungen erhalten, das ist möglich, es gibt Gymnasien in Niedersachsen die über 100% Versorgung haben.

  • Wie macht ihr das denn, wenn die Vertretung auf euer Deputat draufkommt? Dann unterrichtet ihr 30-35 Stunden die Woche? Sind das dann Plusstunden, die irgendwann abgebaut werden müssen? Und wenn ja; wann und wie geht das?

    also 30-35 Stunden in der Woche werden wohl die absolute Ausnahme bleiben.
    NRW: Mehrarbeitsabrechnung zum Satz der Mehrarbeit (ein Witz, aber sicher so in allen BL).
    Wenn es eine dauerhafte Mehrarbeit ist (Übernahme eines Kurses mit Vor-/Nachbereitung und so) sollte man mit der SL verhandeln, dass im Deputat berücksichtigt wird. Auch wenn es nur 4-6 Wochen sind. Unsere Zahlen sind eh total krumm (generell und durch sehr regelmäßige neue Stundenpläne..)

  • Bei uns in NRW ist er nicht erlaubt. Es gibt für Vertretungsstunden keinen Ausgleich. Es gibt nur die Möglichkeit ab der dritten Stunde zusätzlich im Monat sich die Stunden auszuzahlen.
    Aber das Modell entlastet vielleicht die Lehrpersonen so sehr, dass die erteilten Stunden - trotz Ausfall - effektiver sind, als wenn sie ständig Überstunden machen und immer aus dem letzten Loch pfeifen. Ich halte aber wenig davon, wenn Eltern alles kontrollieren. Oder klug auf das Recht pochen. Außer sie haben konstruktive Lösungsvorschläge, unterstützen die Schule und betreuen selbst einige Stunden Kinder in der Schule.

  • Ich halte aber wenig davon, wenn Eltern alles kontrollieren. Oder klug auf das Recht pochen. Außer sie haben konstruktive Lösungsvorschläge, unterstützen die Schule und betreuen selbst einige Stunden Kinder in der Schule.

    Wir können davon ausgehen, dass die Kollegin eben Mutter UND Kollegin ist und aufgrund ihrer anderer Schulform irritiert ist.
    Wenn ich sehe, wie viele andere bzw. unterschiedliche Erfahrungen mit anderen Gymnasien meine Kolleg*innen bzw. deren Kinder machen, finde ich das Nachfragen echt nicht abwegig.

  • Das läuft wie folgt: ein Kollege meldet sich krank. Folglich fallen die entsprechenden Stunden aus. Da in der Unterstufte keine Freistunden zulässig sind (ebenso: Kinder müssen in der 2. Std und in der 5. Std Unterricht haben, in der ersten und sechsten Stunde ist Ausfall möglich - so zumindest an diesem Gymnasium), werden Stunden einer anderen Lehrkraft vom Folgetag (oder einem anderen Tag innerhalb der nächsten Woche) vorgezogen,

    Läuft bei uns auch so, wenn eine passende Stunde existiert in die geschoben werden kann. Beispiel: Lehrkraft X meldet sich krank und hätte die Klasse in der 3. Stunde. In dieser Stunde hat Lehrkraft Y, die die Klasse zwei Tage später in einer Randstunde unterrichtet, Bereitschaft oder eine Springstunde. Die Stunden der beiden Lehrkräfte werden getauscht, in der 3. unterrichtet nun Lehrkraft Y, und in der Randstunde zwei Tage später haben die Klasse und Lehrkraft Y frei.

    Ich persönlich finde das nicht gut, denn zum einen kann es vorkommen, dass ich erst morgens in der Schule erfahre dass eine Stunde auf den betreffenden Tag vorverlegt wurde, und zum anderen mache ich in einer Bereitschaftsstunde viel lieber eine Vertretung, allein schon mit Blick auf die Bagatellgrenze...

  • ich fände es sinnvoll, wenn man schon so weit denkt, dass jemand kann, der die Klasse auch unterrichtet, dass diese Person eben eine zusätzliche Stunde zur Verfügung bekommt (in welcher sie - in Ermangelung von Vertretungsaufgaben - ein paar Aufgaben ihres Faches einschieben kann). Aber spontan das Thema von "in zwei Tagen" unterrichten, hat nie dieselbe Qualität (und die HA fehlen auch sicher, usw..)

  • ich fände es sinnvoll, wenn man schon so weit denkt, dass jemand kann, der die Klasse auch unterrichtet, dass diese Person eben eine zusätzliche Stunde zur Verfügung bekommt

    Das sehe ich auch so, aber das würde dann ja keine Mehrarbeitsstunde mehr vermeiden. (Denkt denn keiner an die Steuerzahler!!!1!)

  • So kurzfristig sind bei uns "statt-Stunden" nicht und dank digitalem Klassenbuch wissen auch die Schüler Bescheid.

    Ich fand "Statt-Stunden" immer gut, 6. Stunden oder gar Nachmittagsstunden sind auch nicht so produktiv. Bei uns fordern es oft sogar die betroffenen Schüler ein. Sie erfahren von einem Ausfall und fragen z. B. mich, ob meine 11. Stunde vorverlegt werden kann. Ich melde dies den Stundenplanern und alle sind happy. Gegen einen freien Nachmittag hat bei uns niemand etwas.

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  • Ich nehme an, diese Praxis ist aus der Not heraus entstanden, aber ich finde es nicht okay.

    Letztlich ist das eine politische Entscheidung. Würden alle Eltern eine entsprechende Versorgung bei der Politik anmahnen, gäb es das Problem nicht. Solange sparen aber geil ist, passiert es da, wo man die Kosten nicht sofort sieht: im Bildungssystem.

  • Das sehe ich auch so, aber das würde dann ja keine Mehrarbeitsstunde mehr vermeiden. (Denkt denn keiner an die Steuerzahler!!!1!)

    Da bei mir nach dem Abitur mein LK wegfällt, andere Klassen auf Klassenfahrt sind, muss ich mindestens 50 Überstunden vor Mitte Juni haben, damit ein paar übrig bleiben (Bagatellgrenze). Dass schaffe ich nur, wenn ich wie im letzten Jahr 2 zusätzliche Klassen 5 Monate unterrichte (29 Deputatatstunden am Gymnasium ganz offiziell). Bugstunden werden kaum noch bewilligt (nur bei Teilzeitkräfte), ich habe vor ca. 15 Jahren 7 Jahre benötigt, bis ich meine 5 Bugstunden wieder abgebaut habe. Das soll nicht mehr passieren. Kurz Vertretungsstunden sind für mich fast immer unbezahlt, von 6 Wochen Elternzeit für einen Kollegen mit 2 zusätzlichen Nachmittagen mit je einer Doppelstunde pro Woche blieb 0 Euro übrig.

    Ich schaffe dies gesundheitlich nicht mehr. Eine gute SL wie meine nimmt darauf Rücksicht.

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