Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Würden mein Team und ich das bei der Stundenplanerstellung tun, gäbe es zum jeweiligen Halbjahr oder anderen Zeitpunkten keinen Stundenplan - oder wahlweise einen wirklich grottigen Stundenplan, der nicht die Bedürfnisse der TZ-Kräfte berücksichtigt.
    Es gibt Arbeitsbereiche, in denen geht das nicht.

    Ja, genau das meine ich aber. Ich kann meinen Job in der Zeit machen, wenn ich ihn schlecht mache. Bei einer Arbeitszeiterfassung besteht dann die Gefahr, dass der Dienstherr einfach sagt das schlechte Ergebnis muss reichen...

  • Ja, genau das meine ich aber. Ich kann meinen Job in der Zeit machen, wenn ich ihn schlecht mache. Bei einer Arbeitszeiterfassung besteht dann die Gefahr, dass der Dienstherr einfach sagt das schlechte Ergebnis muss reichen...

    Nein, das halte ich für ausgeschlossen. Der Dienstherr wird es so aussehen lassen, als wären wir alle unfähig - oder er baut nach wie vor darauf, dass wir genug Verantwortungsbewusstsein besitzen, um den leckenden Pott nicht absaufen zu lassen.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Wenn Deutschlehrer 20 h ein neues Buch liest, dass er vielleicht im Unterricht behandeln will, sagt der Dienstherr vielleicht nehmen sie noch mal das vom letzten Jahr.
    Und bevor jetzt jemand meckert. Das sollen nur Beispiele sein, warum eine Arbeitszeiterfassung bei Lehrkräften nicht ganz so einfach ist.

    Irgendwann muss er es ja lesen und wenn das Land die Abi-Lektüren vorgibt, muss auch das vorbereitet werden, da sind ja immer mal andere Werke gesetzt.

    Am Ende bleibt es dabei: es zählt Anfang, Pause und Ende, alles andere ist unstrittig.

    Und ob ich für das sonderpädagogische Gutachten 30 oder 50h brauche (der Landesrechnungshof schrieb von über 40h), ist dann Arbeitszeit. Da ist es egal, ob ich langsam tippe oder gründlicher teste oder das Anamnesegespräch (mit vorgegebenem Fragebogen) länger dauert.

    Eigentlich kann die Schulbehörde dann gar nicht sehen, wofür die viele Zeit aufgewendet wurde, aber wenn nachgefragt wird, kann man darlegen, woran es gelegen hat … und da bleibe ich bei der Aussage, dass viele außerunterrichtliche Sachen nicht gesehen und bedacht werden. Dass besondere Anforderungen an den Unterricht zusätzliche Vor- und Nachbereitungszeit benötigen, wird auch dazu gehören.

  • Ich finde das mit der Zeiterfassung schwierig. Wenn ich vormittags 3-4 Stunden 25 Kinder "entertaine", frisst das deutlich mehr Energie als wenn ich im Büro Akten bearbeiten würde. Diese Zeit müsste 1,5 fach gewertet werden.

  • Zeiterfassung ist einfach. Man muss ja nur notieren, wann man anfängt zu arbeiten und wann man aufhört.

    Wenn dabei dann herauskommt, dass man zu lange gearbeitet hat, heißt das aber noch lange nicht, dass man dafür bezahlt wird. Auch anderswo werden Überstunden nur gezahlt, wenn sie angewiesen wurden. Und ohne Budget wird es nieman tun.

    Wenn wir irgendwann eine Zeiterfassung haben, muss sich daher vermutlich trotzdem erst vor Gericht darüber gestritten werden.

    LG DFU

  • Zeiterfassung ist einfach. Man muss ja nur notieren, wann man anfängt zu arbeiten und wann man aufhört.

    Wenn dabei dann herauskommt, dass man zu lange gearbeitet hat, heißt das aber noch lange nicht, dass man dafür bezahlt wird. Auch anderswo werden Überstunden nur gezahlt, wenn sie angewiesen wurden. Und ohne Budget wird es nieman tun.

    Wenn wir irgendwann eine Zeiterfassung haben, muss sich daher vermutlich trotzdem erst vor Gericht darüber gestritten werden.

    Ich glaube, du hast nicht so ganz verstanden, worauf ich hinaus wollte. Zeit ist nicht gleich Zeit.

  • Und ob ich für das sonderpädagogische Gutachten 30 oder 50h brauche (der Landesrechnungshof schrieb von über 40h), ist dann Arbeitszeit. Da ist es egal, ob ich langsam tippe oder gründlicher teste oder das Anamnesegespräch (mit vorgegebenem Fragebogen) länger dauert.

    Gutachten sind doch nur ein kleiner Teil unserer Tätigkeit. Betrachten wir doch nur mal die Unterrichtsvorbereitung. Letztlich entscheide ich momentan selbst, wie viel Zeit ich investiere. Natürlich wird der Unterricht tendenziell besser, wenn ich mehr Zeit in die Vorbereitung investiere. Aber wer entscheidet bei einer Arbeitszeiterfassung wie viel angemessen ist. Kann ich stundenlang eine einzelne Stunde vorbereiten und das dann als Überstunden angeben? Oder das Gutachten liegen lassen, wenn ich nach der Unterrichtsvorbereitung keine Zeit mehr habe?

  • Tom123 : Klar macht es keinen Sinn, deine konkret genannten Beispiele, im schlechtesten Fall auch noch über mehrere Seiten, zu diskutieren. Allgemein gesprochen soll Unterrichtsvorbereitung didaktisch sinnvoll, an den gültigen Curricula und Lehrplänen orientiert, aber auch effizient sein (in Bezug auf Kosten und Zeitaufwand) - sonst wären wir wieder bei den bekannten Herzchen-i-Punkten.

  • Oder man greift zu Unterrichtsformen, wo Kinder selbstorganisierter Arbeiten und man sie nicht "Entertainer" spielen muss.

    Diese Phasen strengen ebenfalls an. Zunächst einmal muss ich dafür sorgen, dass wirklich alle arbeiten und sich nicht mit anderen Dingen beschäftigen, d. h. disziplinieren und motivieren. Da wäre der nicht unerhebliche Geräuschpegel, der in vielen Arbeitsphasen herrscht und anstrengend ist. Zudem beantworte ich in diesen Phasen Fragen der Kinder, helfe einzelnen schwachen Schülern. Und selbst wenn alle Kinder selbstständig arbeiten, nutze ich die Zeit für Beobachtungen und Notizen.

    Man kann natürlich auch versuchen, über den Lärmpegel hinwegzuhören, die hilfesuchenden Kinder übersehen und abwimmeln, und sich stattdessen mit seinem Smartphone beschäftigen.

  • Zeit ist Zeit. Hier zu differenzieren, ist albern - wird bei körperlich schweren Tätigkeiten, in der Pflege oder sonstwo ja auch nicht gemacht. Je nach Bürojob ist das Arbeiten auch nicht zwingend nur superchillig.

  • Zeit ist Zeit. Hier zu differenzieren, ist albern - wird bei körperlich schweren Tätigkeiten, in der Pflege oder sonstwo ja auch nicht gemacht. Je nach Bürojob ist das Arbeiten auch nicht zwingend nur superchillig.

    Ich halte die Arbeitsdichte bei Lehrern für sehr hoch.

  • Eure Rechnung mit den 6 Wochen Urlaub vs. 14 Wochen Ferien passt nicht. Es werden immer die gesetzlichen Feiertage vergessen. In jedem Jahr gibt es davon so ca. 10 in unseren Ferien. Legt ein Arbeitnehmer seine 30 Tage Urlaubsanspruch günstig, dann kommt er auch auf 8 Wochen Urlaub. Ich selbst gehe mit jeder Menge Überstunden in die unterrichtsfreie Zeit. Die kann ich natürlich nicht an den gesetzlichen Feiertage abfeiern, die sind ja von Arbeitszeiten freizuhalten. Und ich habe in den Ferien auch immer neue Korrekturen.

  • Eure Rechnung mit den 6 Wochen Urlaub vs. 14 Wochen Ferien passt nicht. Es werden immer die gesetzlichen Feiertage vergessen. In jedem Jahr gibt es davon so ca. 10 in unseren Ferien. Legt ein Arbeitnehmer seine 30 Tage Urlaubsanspruch günstig, dann kommt er auch auf 8 Wochen Urlaub. Ich selbst gehe mit jeder Menge Überstunden in die unterrichtsfreie Zeit. Die kann ich natürlich nicht an den gesetzlichen Feiertage abfeiern, die sind ja von Arbeitszeiten freizuhalten. Und ich habe in den Ferien auch immer neue Korrekturen.

    Doch ich habe es berücksichtigt. Viele rechnen mit 40 Schulwochen und wundern sich, warum sie den Unterrichtsstoff nicht schaffen.

    Im realen Leben rechne ich mit 1804 Stunden im Jahr genau wie meine SL und Kolleginnen.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Ein Koch nutzt auch seine eigenen Messer. Vielleicht bringt er auch ein Rezept von Zuhause mit. Entscheidend wäre die Frage, ob der Dienstherr das angeordnet oder genehmigt hat. Ich befürchte, wenn wir eine effektive Arbeitszeiterfassung bekommen, geht die auf Dauer mit einer Einschränkung unsere Freiheit ein. Ich würde als Dienstherr dann auch sagen. Das mit den Osterhasen ist eine tolle Idee, aber die 2 Stunden sind sie mir nicht wert. Und das gilt natürlich auch für vieles anderes. Wenn Deutschlehrer 20 h ein neues Buch liest, dass er vielleicht im Unterricht behandeln will, sagt der Dienstherr vielleicht nehmen sie noch mal das vom letzten Jahr.
    Und bevor jetzt jemand meckert. Das sollen nur Beispiele sein, warum eine Arbeitszeiterfassung bei Lehrkräften nicht ganz so einfach ist.

    Natürlich. Der Mitarbeiter in der Werbeagentur, der 5 Tage lang einfach nur über einen neuen Slogan nachdenkt und sich dabei in der Agentur aufhält, bekommt das auch als Arbeitszeit angerechnet und bezahlt. Und wenn er dafür Zeitschriften durchblättert, im Internet surft etc. oder stundenlang mit Kollegen brainstormt, dann ist das auch Arbeit.

    Es gibt Arbeit, die recht gut messbar ist (wieviele m² hat der Maler gestrichen, wie viele Fliesen hat der Fliesenleger verlegt) und welche, die man nicht gut messen kann, nämlich alles geistige oder kreative Arbeit. Beides ist wertvoll, beides muss finanziell anerkannt werden.

    Wenn der Pförtner 2 Stunden lang keine Schranke aufmachen muss, keiner vorbeikommt und was von ihm will, und er nur Kreuzworträtsel macht, ist das dann auch keine Arbeitszeit?

    Der AG hat uns doch auch den Erziehungsauftrag gegeben. Erziehung ist immer auch Beziehung. Daran muss man arbeiten. Das geht nicht mit ausschließlich Unterricht nach Buch und dann haue ich ab. Das kostet dann auch Zeit, genau wie zu Hause in den Familien auch. Wenn man nie etwas Schönes mit dem Kind macht, dann funktioniert es nicht. Ja, und deshalb ist Osterhasen basteln auch Arbeitszeit.

  • Es ist die gleiche freie Zeit. Weil wenn die z.B. zwei freie Tage pro Woche haben, müssen sie nur drei Tage Urlaub nehmen.


    Bei Lehrern sind es aber die kompletten Ferien UND ggf. die freien Tage

    Der Urlaub bleibt immer noch der gleiche. Ein 50 % Teilzeitlehrer, der nur an 3 Tagen die Woche arbeitet, bekommt ja in den 2 Wochen Herbstferien ja auch nur 6 Tage Ferien (die anderen Tage hat er sowieso frei und bezahlt dafür mit einem halben Gehalt), die Vollzeitlehrer bekommen aber 10 Tage Ferien.

    In der Summe haben beide 2 Wochen frei. Wo ist das Problem?

    Außerhalb der Ferien haben Teilzeitlehrer deshalb freie Tage, weil sie dafür auch kein Geld bekommen, sonst müssten sie ja auch mehr bezahlt werden. Sollte dir eigentlich klar sein. Komisch, dass man das hier erklären muss.

  • oder er baut nach wie vor darauf, dass wir genug Verantwortungsbewusstsein besitzen, um den leckenden Pott nicht absaufen zu lassen.

    Ich fürchte jedoch, dass wir uns derzeit in einer Situation befinden, wo der leckende Pott kurz davor steht in zwei Teilen zu zerbrechen um dann krachend in die Tiefe zu rauschen.🤷

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Würden mein Team und ich das bei der Stundenplanerstellung tun, gäbe es zum jeweiligen Halbjahr oder anderen Zeitpunkten keinen Stundenplan - oder wahlweise einen wirklich grottigen Stundenplan, der nicht die Bedürfnisse der TZ-Kräfte berücksichtigt.
    Es gibt Arbeitsbereiche, in denen geht das nicht.

    Ist richtig. Und hier ist die Arbeitszeiterfassung auch der Hebel, den man haben könnte, um diesen Missstand zu ändern. Wird sich nur nichts tun, daher denke ich eher, dass man dann x-Wochen für den Plan aufwenden darf. Alles andere ist nice-to-have.

    Und dann muss man auch für sich selbst entscheiden, dass man nur das liefert, wofür der Dienstherr bereit ist zu zahlen. Ist ja jetzt eigentlich auch schon so, halten sich aber viele nicht dran.

  • Wieso nutzt man nicht lieber die bereits vorhandenen AZ-Studien und legt fest, wofür man wie lange braucht und dann ist endlich die Diskussion vom Tisch? Wer Korrekturfächer hat, benötigt dann mehr Zeit dafür, das muss man doch nicht jeden Tag tracken.

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