In NDS fliegt die [schriftliche] Division aus dem Mathe Curriculum

  • Aber ist das heutige Problem der Beweis an sich oder das Dokumentieren desselben?

    Es ging ja um Mathe, dass es in Englisch, Geschichte und Biologie (die Klausuren sind zumindest im Grundkurs wirklich teilweise grotesk einfach) anders ist, sollte klar sein. Ich habe auch damals in Physik wesentlich mehr geschrieben als in Mathe.

  • Wie hätte das ohne saubere Kommunikation funktionieren sollen?

    Um das mal als Aufhänger zu nehmen... Die Frage ist halt immer, was saubere mathematische Kommunikation ist.

    Mein persönlicher Eindruck ist, dass sie mit der Einführung der Kompetenzorientierung viele Bereiche des Mathematikunterrichts zu Gunsten von verkapptem Sprachunterricht entmathematisiert wurden. Ein mathematisch sauberer Beweis ist viel aussagekräftiger als eine umgangssprachliche Erklärung. Leider testen die heutigen Abschlussprüfungen primär Sprachekompetenzen und nicht mehr Mathematik.

    2 Mal editiert, zuletzt von kodi (22. Dezember 2025 21:25)

  • Ich will jetzt nicht gemein sein, aber glaubt hier irgendwer ernsthaft, dass ein heutiger LK Schüler mathematisch besser kommunizieren kann, als jemand der vor 30, 50 oder 70 Jahren Abitur gemacht hat? Wir haben noch alte Klausuren hier in der Schule liegen, das ist sowohl von der Fachwissenschaft, als auch von den kommunikativen Anforderungen her heute nicht mehr möglich solche Klausuren zu stellen. (Hat sicher auch was mit dem Zentralabitur zu tun, das hat halt jeglichen Tiefgang gekillt)

    Zentralabitur war früher immer DAS Kriterium für hohen Standard. Baden-Württemberg und Bayern haben sich stets damit gerühmt, Abiturient*innen seien im letzten Jahr vorm Abschluss nach Hessen umgezogen, so das Gerücht.

  • Ein mathematisch sauberer Beweis ist viel aussagekräftiger als eine umgangssprachliche Erklärung. Leider testen die heutigen Abschlussprüfungen primär Sprachekompetenzen und nicht mehr Mathematik.

    Bei den Abschlussprüfungen, da sind ja einige der anderen Mathematiklehrkräfte im Forum derselben Meinung, nehmen Sprachkompetenzen in der Tat zu viel Raum ein.

    Was mathematisches Kommunizieren und Argumentieren angeht: Ich habe mir das Mathematikcurriculum der Sek I in NRW angeschaut und du hast schon Recht, dass auch viel Raum der Darstellung in eigenen Worten eingeräumt wird, was du vermutlich als "umgangssprachliche Erklärung" benennst. Gleichzeitig lese ich durchaus auch heraus, dass die Verwendung von Fachsprache, also Fachbegriffe, ebenso vorgesehen ist wie Beweise auf Basis logischer Heuristiken. Da muss ich Quittengelee schon Recht geben, dass dies auch von den Schülern (m/w/d) eingefordert werden und Teil von Leistungsbewertung sein muss. Was ich jedoch nicht herauslesen konnte, war eine Abstufung hinsichtlich der Erwartungen zwischen den einzelnen Schulformen: Die Curricula sind von den Anforderungen zwischen Hauptschule und Gymnasium quasi gleich. Wie interpretiert ihr das wiederum hinsichtlich der Umsetzung in Unterricht?

    Und klar, Beweise in der Sek I sind eher anschaulich als streng-axiomatisch, aber das finde ich legitim, da Schüler (m/w/d) erst an dieses Werkzeug der Mathematik herangeführt werden müssen. Die Rolle von Beweisen im Mathematikunterricht hängt auch davon ab, welche Gesamtziele wir mit Unterricht in Deutschland verfolgen wollen - ob es eher nach internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Verwendbarkeit oder Humboldtidealen und kultureller Bedeutung geht. Vermutlich liegt die Antwort irgendwo in der Mitte.

    Realistisch gesehen lassen sich je nach Lerngruppe durchaus mal Podiumsdiskussionen durchführen, jedoch hat das eher einen simulierenden Charakter. Als ganze Klasse auf einem öffentlichen Forum zu diskutieren, habe ich bisher noch nicht erlebt. Höchstens auf Diskutierwettbewerben etc., wobei da ja dann eher 1 gegen 1 stattfindet.

    Eventuell habe ich deinen vorangegangenen Beitrag dahingehend falsch verstanden. Ich ging davon aus, dass das Curriculum verlangt, dass die Schüler (m/w/d) einer öffentlichen Diskussion beisitzen und ggf. die Erkenntnisse hieraus in der Klasse nachbesprechen, nicht dass sie als aktive Diskutanten diese öffentliche Diskussion mitgestalten sollen.

  • Zentralabitur war früher immer DAS Kriterium für hohen Standard. Baden-Württemberg und Bayern haben sich stets damit gerühmt, Abiturient*innen seien im letzten Jahr vorm Abschluss nach Hessen umgezogen, so das Gerücht.

    Ich habe ja vor vielen Jahren einige Jahre in NRW unterrichtet und anschließend seit über 20 Jahren in Baden-Württemberg, habe Fortbildungen für Abiaufgabenerstellung in beiden Bundesländern besucht und Abiaufgaben selbst erstellt. In NRW damals ohne zentrales Abitur notwendigerweise, in Baden-Württemberg ist man nur alle paar Jahre dran. Aus den zig jedes Jahr erstellten Aufgaben von Kollegen werden dann ein paar für das zentrale Abitur ausgewählt.

    Beide Seiten haben recht.

    Die Schüler ohne zentrales Abitur konnten im "Steckenpferd" ihres Lehrers mehr, in allen anderen Themen weniger. Beim zentralen Abitur muss alles gleichermaßen vertieft unterrichtet werden nicht nur einzelne Bereiche.

    Wenn man sich alte Aufgaben ohne zentrales Abitur ansieht und den Unterricht nicht kennt, kann man leicht dem Irrglauben aufsitzen, damals wüssten die Schüler insgesamt mehr. Auch ein Beweis ist einfach, wenn er vorher im Unterricht ausführlichst behandelt wurde.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Ich habe ja vor vielen Jahren einige Jahre in NRW unterrichtet und anschließend seit über 20 Jahren in Baden-Württemberg, habe Fortbildungen für Abiaufgabenerstellung in beiden Bundesländern besucht und Abiaufgaben selbst erstellt. In NRW damals ohne zentrales Abitur notwendigerweise, in Baden-Württemberg ist man nur alle paar Jahre dran. Aus den zig jedes Jahr erstellten Aufgaben von Kollegen werden dann ein paar für das zentrale Abitur ausgewählt.

    Beide Seiten haben recht.

    Die Schüler ohne zentrales Abitur konnten im "Steckenpferd" ihres Lehrers mehr, in allen anderen Themen weniger. Beim zentralen Abitur muss alles gleichermaßen vertieft unterrichtet werden nicht nur einzelne Bereiche.

    Wenn man sich alte Aufgaben ohne zentrales Abitur ansieht und den Unterricht nicht kennt, kann man leicht dem Irrglauben aufsitzen, damals wüssten die Schüler insgesamt mehr. Auch ein Beweis ist einfach, wenn er vorher im Unterricht ausführlichst behandelt wurde.

    Was doch eindeutig dafür spricht, dass das zentrale Abi schwieriger zu bewerkstelligen ist.

  • Ich mag die schriftlichen Verfahren übrigens. Sie geben einem ein gutes Gefühl, weil man systematisch zum Ziel kommt. Ich finde ihre Erfindung ziemlich genial, warum sollte man Kinder um diese Fähigkeit nicht bereichern?

    Klar muss man immer abwägen, was wichtig ist und es kann nicht immer noch was dazu kommen, ohne dass etwas anderes wegfällt. Deswegen braucht es umso bessere Begründungen, ein Thema unwiderruflich zu streichen.

  • Finde das bedenklicher als das mit der Division: https://www.welt.de/politik/deutsc…er-sprache.html

    WENN dann Goethe und Schiller gelesen würden, wäre gut.
    Im Studium hatte ich einen Nachhilfeschüler (Gymnasium, Hessen, 2000er-Jahre), der in der 8. Klasse Kleider machen Leute in vereinfachter Sprache las. Ich fand es damals schon schlimm. Später hat er (auch in vereinfachter Sprache) Wilhelm Tell.
    Aber eyh, zwei Klassiker in einem Schuljahr?! Wir machen EINE Ganzschrift und es ist eine moderne, oft Jugendbuch. Klassiker werden eher durch die 2-3 Auszüge im Lehrwerk gelesen.
    Also ja, Plattenspieler, du kannst (und wirst) weinen. Mittlerweile habe ich DAFÜR keine Tränen mehr. Alles, was zum Lesen bringen kann, ist ein gutes Mittel. Und meine Oberstufe gestern meinte, Dürrenmatt (die Physiker) sei nicht so einfach. Muhahaha... Wartet auf den zerbrochenen Krug und Woyzeck nächstes Jahr.

  • Wartet auf den zerbrochenen Krug und Woyzeck nächstes Jahr.

    Woyzeck war (!) sehr lange auf der verbindlichen Leseliste in Hessen. Letztlich fanden die SchülerInnen das Werk immer am besten, auch wenn das Lesen am Anfang etwas schwieriger ist. Beim zerbrochnen Krug bin ich absolut bei dir!

  • Woyzeck ist inhaltlich grandios, sprachlich auch okay. Aber "okay" ist trotzdem für viele SuS in der Oberstufe "lästig". Es wird auch dadurch bestärkt, dass sie es lesen MÜSSEN und nicht selbst zum Buch greifen.
    (Beim zerbrochenen Krug hätte ich selbst nicht mal zum Buch gegriffen, wenn ich den "Teaser" lese. Leider ist bei uns gerade der Krug Pflicht, Woyzeck lesen wir "freiwillig" als Vergleich, wir könnten ein anderes Drama nehmen)

  • Woyzeck ist inhaltlich grandios, sprachlich auch okay. Aber "okay" ist trotzdem für viele SuS in der Oberstufe "lästig". Es wird auch dadurch bestärkt, dass sie es lesen MÜSSEN und nicht selbst zum Buch greifen.

    Das Müssen ist das größte Problem. Ich habe kein einziges in meiner Schulzeit gelesen, ging auch ohne wenn man sich zu helfen weiß. Ich war und bin ein recht langsamer Leser, sehe aber auch keinen Grund daran etwas zu ändern. Für zwei Studiengänge und 2. Staatsprüfung hat es auf jeden Fall gereicht.

  • Für zwei Studiengänge und 2. Staatsprüfung hat es auf jeden Fall gereicht.

    Ich oute mich.
    Leseratte vor dem Herrn ab der 3. Klasse (Entdeckung der Schulbibliothek, ich habe wortwörtlich alle Schulbibliotheken 2 Jahre vorm Verlassen der jeweiligen Schule ausgelesen - und sie sind in Frankreich wirklich gut aufgestellt, jede Schule hat eine BibliothekarIn-Stelle). Ab der 9. Klasse wurde ich ständig darauf hingewiesen, dass ich doch langsam "richtige Literatur" lesen sollte. Mit 15 waren hatte ich aber nur begrenzt Zugang zu Balzac und Zola (auch wenn Germinal genial war, war das doch seeeeeeeeeeeeeehr lang).
    Dann habe ich einfach aufgehört zu lesen.
    Und in der Oberstufe konnte ich mit der Interpretation von Literatur und Gedichten so wenig anfangen (" Mein GOTT, ja, er ist auf einem See, ist doch egal und Zufall und die Wasserbewegungen haben nichts mit seinen Gefühlen zu tun"
    Und trotzdem zwei Philologien studiert :D
    Und erst im Studium und danach (NICHT durch das Studium!) langsam wieder zur Literatur gefunden. Meine Literaturnote senkt den Schnitt in Deutsch aber ansonsten habe ich trotzdem sehr passable Abschlüsse.
    Jetzt habe ich sogar am meisten Spass am Unterricht, leide aber trotzdem mit den SuS mit (allerdings habe ich kein Verständnis für diejenigen, die LK wählen und die Bücher nicht lesen.)

  • Ich war auch immer eine Vielleserin (bis vor ein paar Jahren), aber keine klassische Literatur. Das hat mich nie gepackt. Mir hat es auch nie eingeleuchtet, warum meine Interpretation von Teilen aus Gedichten oder so nicht richtig sein soll. Wer bestimmt, dass der Verfasser nun genau das damit bezweckt hat bzw. aussagen wollte? Das war immer ein Buch mit 7 Siegeln für mich und dank meiner Kinder hab ich festgestellt, dass sich daran nichts geändert hat. Das was laut Deutschlehrer aus der Lyrik oder dem Drama herauszulesen sein soll, hab ich selten nachvollziehen können.

  • In Niedersachsen soll das Verständnis gegenüber dem auswendig lernen gestärkt werden. Verständnis benötigt Zeit, die durch stures Üben für schriftliche Division fehlt. Wie viele Erwachsene können erklären, warum schriftliche Division genau so durchgeführt wird, wie viele können es überhaupt noch?

    Und welche mathematischen Themen bauen darauf auf? Wer verwendet es wie oft im Alltag?

    Ich finde es gut, dass Verständnis für mathematische Themen zeitlich gestärkt und stures üben gekürzt wird. Und schriftliche Division in Klasse 5 gibt es noch.

    Es fällt auf, dass vor allem Fachferne (Erwachsene, Presse) schimpfen und den Untergang der Bildung vermuten, Fachwissenschaftler aber dafür sind.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

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