Vertretungslehrkraft-Stellen für Erfahrungslose

  • Hallo zusammen,

    ich hätte eine Frage an diejenigen, die Erfahrungen mit Vertretungsstellen oder Einstellungsverfahren an Schulen haben.

    Mir ist aufgefallen, dass einige Kultusministerien bzw. Bildungsministerien regelmäßig Stellen sowohl für reguläre Einstellungen als auch für Vertretungslehrkräfte ausschreiben – teilweise für allgemeinbildende Schulen, teilweise für berufliche Schulen. Dabei steht in manchen Ausschreibungen ausdrücklich, dass sich auch Personen ohne Lehramtsstudium bewerben können.

    Dazu würden mich mehrere Punkte interessieren:

    1. Wie hoch schätzt ihr die Chancen ein, tatsächlich eine solche Stelle zu erhalten, wenn man zwar einen Hochschulabschluss besitzt, aber kein Lehramt studiert hat?
    2. Sind solche Ausschreibungen ein Hinweis darauf, dass an den betreffenden Schulformen oder Regionen ein akuter Lehrermangel besteht, oder werden solche Stellen routinemäßig ausgeschrieben, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf?
    3. Wie oft kommt es vor, dass Personen ohne Lehramtsstudium tatsächlich eingestellt werden?
    4. Würdet ihr jemandem ohne pädagogische Vorerfahrung, ohne Schulpraktika und ohne Unterrichtserfahrung empfehlen, eine Vertretungsstelle anzunehmen?
    5. Wie schwierig ist der Einstieg in den Schulalltag aus eurer Sicht? Ist man als Vertretungslehrkraft eher auf sich allein gestellt oder erhält man in der Regel Unterstützung durch Kollegen und Schulleitung?
    6. Gibt es Unterschiede zwischen allgemeinbildenden Schulen und beruflichen Schulen hinsichtlich der Anforderungen an Quereinsteiger und Vertretungslehrkräfte?

    Mich interessieren sowohl persönliche Erfahrungen als auch Einschätzungen aus Sicht von Schulleitungen, Lehrkräften oder Personen, die selbst über diesen Weg in den Schuldienst gekommen sind.

    Vielen Dank für eure Antworten!

  • Bist du eigentlich mit dem Ziel Mitglied in diesem Forum geworden, die anderen Teilnehmer Aufsätze zu diversen Themen schreiben zu lassen?

  • Wahrscheinlich (und beobachtbar) weiter zunehmend (auch in verschiedenen Tätigkeitsbereichen neben Unterricht):

    zu

    1) Was für eine Stelle?

    2) Beides. Und um Lehrerstellen zu sparen.

    3) Die Frage: für was? Aber ja, es gibt zunehmend Menschen, die als Lehrer auftreten und von Schülern und Eltern so wahrgenommen/ bezeichnet werden, die weder annähernd Lehramt studiert haben, geschweige denn ein Ref. gemacht haben.

    4) Das wiederum seh ich jetzt anders. Antwort: Ja, warum nicht, wenn man dich lässt.

    5) Abhängig von der konkreten Schule. Und wiederum abhängig von der konkreten Schulform/ Bildungsgang ist, was man dich (rechtlich) machen lässt. Und ob es einfach reicht, dass am Ende des Tages einfach kein Schüler aus dem Fenster gesprungen ist.

    6) Kann ich dir nichts Offizielles dazu sagen. Und inoffiziell sieht es sicher immer auch nochmal unterschiedlich aus.

  • 1. Abhängig von der Anzahl der Bewerber und der Dringlichkeit. Kann sehr wahrscheinlich oder sehr unwahrscheinlich sein.

    2. Es kann ein dauerhafter Mangel aber auch eine kurzfristige Entwicklung z.B. wegen Elternzeit sein.

    3. Siehe 1

    4. Hängt von der Person ab

    5. Hängt von der Schule und der Person ab

    6. Hängt von der Stelle und der Schule ab

    Viele Grüße aus dem Süden :wink_1:

  • Würdet ihr jemandem ohne pädagogische Vorerfahrung, ohne Schulpraktika und ohne Unterrichtserfahrung empfehlen, eine Vertretungsstelle anzunehmen?

    Umgekehrt wird ein Schuh draus, ich würde so jemandem empfehlen, auf jeden Fall erstmal ein Praktikum zu machen, idealerweise eines, in dem man auch selbst ein bisschen Unterrichtserfahrung sammeln und Feedback erhalten kann.

  • Bezogen auf NRW:

    1. Die Chancen hängen davon ab wie das konkrete Bewerberfeld aussieht. Leute ohne Lehramtsabschluss kommen in der Regel nur nachrangig zum Zuge, aber bisweilen gibt es schlicht keine anderen Bewerbungen und die Schule muss halt irgendwie eine Lücke stopfen.
    2. Vertretungsstellen werden nie ohne Bedarf ausgeschrieben. Vertretungsbedarf ist immer hochindividuell, sowohl fachlich als auch zeitlich.
    3. Immer wenn es auf eine ausgeschriebene Stelle keine besseren Bewerbungen gibt.
    4. Wenn die Person Interesse am Lehrerberuf und Neugier auf Menschen mitbringt: Ja.
    5. In aller Regel wird man auf sich alleine gestellt sein und je nach Vertretungsumfang ganz ohne Vorkenntnisse ein höheres Stundenkontingent haben als Referendare. Unterstützung (Tipps, kopiertes Material) wird es sicher geben wenn man danach fragt, aber mit einer Ausbildungssituation wird das meist nicht zu vergleichen sein.
    6. Keine Ahnung, ich schätze mal dass berufsbildende Schulen eher darauf eingestellt sind.
  • Ich stelle seit mehreren Jahren immer wieder jemanden ein, der nicht Lehramt studiert hat. Es ist aber eine Person, die ich kenne, die sich in dem entsprechenden Bereich anders sehr gut fortgebildet hat und die mit großartigem Engagement daher kommt. Jemand völlig Fremdes würde ich nicht einfach so einstellen.

  • Ich stelle seit mehreren Jahren immer wieder jemanden ein, der nicht Lehramt studiert hat. Es ist aber eine Person, die ich kenne, die sich in dem entsprechenden Bereich anders sehr gut fortgebildet hat und die mit großartigem Engagement daher kommt. Jemand völlig Fremdes würde ich nicht einfach so einstellen.

    Ich kann das zwar sehr gut nachvollziehen, aber wie nennt man das auf Deutsch in der Gesamtbetrachtung aller deiner Sätze (der "Fremde" könnte ja weitaus qualifizierter sein) - Klüngelei ist der passende Begriff, oder? Gerne inhaltlich korrigieren.

  • Ich kann das zwar sehr gut nachvollziehen, aber wie nennt man das auf Deutsch in der Gesamtbetrachtung aller deiner Sätze (der "Fremde" könnte ja weitaus qualifizierter sein) - Klüngelei ist der passende Begriff, oder? Gerne inhaltlich korrigieren.

    Interessante Sichtweise… Ich nenne es „Bestenauslese“. Mit den entsprechenden Qualifikationen belegt man seine Eignung für den Job. Es steht dir doch völlig frei, deine Fähigkeiten zu belegen.

    .,

  • In manchen Regionen ist man froh über jeden, der sich überhaupt auf eine Stelle bewirbt. Mein Gymnasium hatte schon 2017 Vertretungskräfte ohne Lehramtsstudium und (Nicht- Lehramts-)Studenten. In einem Fall wurde daraus dann ein OBAS. Die aktuelle Schule hat ebenfalls mindestens eine Vertretungskraft ohne einschlägiges Studium; auch hier ist angedacht, den Menschen (der vorher auch schon an anderen Schulformen vertreten hat) in OBAS unterzubringen.

    Unterstützung ist sicherlich individuell und hängt von den Menschen ab, auf die man trifft.

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