Lehrermangel und Teilzeit

  • Schlaubi Schlau

    Genau das ist der Grund, warum es die Generation Z plus gar nicht mehr ins Beamtenverhältnis ziehen wird. In einem Land, indem Fachkräfte Mangelware sind, habe ich als solch einer Narrenfreiheit. Und dann mache ich es, wie oben beschrieben. Bekomme ich eine feste Stelle, dann lasse ich mich nicht verbeamten und wenn ich Teilzeit machen möchte und es wird verweigert, gucken wir Mal was das Arbeitsgericht sagt oder ich kündige und suche mir eben eine flexible Mittelstelle mit der gewünschten Stundenzahl. Das wird die Konsequenz sein. Abgesehen davon, dass unter solchen Vorgaben doch niemand mehr auf Lehramt studiert. Wenn überhaupt, dann als Seiteneinsteiger, damit auch andere Alternativen bleiben🤷

    Richtig. Interessanterweise ist der Ausstieg aus dem Beamtensystem dank der Einführung des Altersgeldes in vielen Bundesländern auch so leicht wie noch nie bzw. die Nachteile, die frühere Generationen hatten, entfallen.

  • Ich muss noch einen drausetzen " normale examinierte Bewerber und Lehrer im öffentlichen Dienst" ist auch nochmal ein Unterschied. 🤷

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Öffentlicher Dienst und Beamtenverhältnis sind nicht dasselbe. Die meisten Menschen im ÖD sind keine Beamten.

    Man sollte hier noch einmal differenzieren, da hast du Recht. Ob das wiederum junge Menschen wissen, wenn sie vermehrt sagen, dass sie in den öffentlichen Dienst wollen, ist noch einmal eine andere Sache...

  • In Bayern sind ja viele der Vorschläge zumindest an Grund-, Mittel- und Förderschulen bereits 2020 umgesetzt worden und seither bittere Realität:


    - „zeitlich befristete“ Erhöhung des Deputats in der Grundschule


    - Anhebung der Mindeststundenzahl bei Antragsteilzeit auf 24 Stunden (GS, MS) bzw. 23 Stunden (Förderschule)- ausgenommen familienpolitische TZ


    - grundsätzlich keine Genehmigung neuer Sabbatjahre


    - vorzeitiger Ruhestand vor dem 65. LJ nicht mehr möglich


    https://www.km.bayern.de/download/22387_Schreiben-an-Lehrkäfte-GS-MS_Abdruck.pdf


    Der große Aufschrei bleib leider aus. Die Verbände haben nach Verkündung der Maßnahmen ein bisschen gejammert, aber das war’s auch schon, es wurde alles wie geplant umgesetzt. Von einer Kündigungswelle hab ich auch nicht gehört, funktioniert aus Sicht des Ministeriums also alles reibungslos. In der breiten Bevölkerung wurden diese Verschärfungen in meiner Wahrnehmung sogar eher begrüßt - das ewige Lied von den „faulen Säcken“…


    Ich kann das daher alles nur noch mit Galgenhumor betrachten, ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass solche und weitere Verschlechterungen zu vermeiden sein werden.

  • Ich fand es immer schwierig, die Kinderbetreuung trotz Kitaplatz neben meinem TZ-Job sicherzustellen, weil ich auf die Gunst der Stundenplaner angewiesen war, denn die Betreuungszeiten der Kitas haben meine Arbeitszeiten (also die IN der Schule) auch in TZ nicht immer komplett abgedeckt und wurden teilweise wegen Personalmangel sogar noch mehr gekürzt. Als ich anfangs mal naiv in der Schule fragte, was ich denn tun soll, wenn mein Stundenplan so ist, dass ich die Betreuungszeit nicht einhalten kann (nein, keine Großeltern oder sonstige Verwandte in der Nähe zum Bringen/Abholen), wurde mir gesagt: Stunden noch mehr reduzieren (aber selbst dann hätte ich keinen Anspruch darauf gehabt, z.B. nicht in der 11. Stunde eingesetzt zu werden)!

    So viel zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Teilzeitarbeit...

  • Der große Aufschrei bleib leider aus.

    Wie schade! Zum Glück bin ich nicht mehr in Bayern, aber ich fühle mit euch. Bestimmt sagen wieder alle: "Da müssen wir jetzt durch", anstatt sich zu wehren.

    Ist das alles der Preis für einen sicheren Job und die Unkündbarkeit? Dass man bleiben muss, wie in einer schlechten Ehe, in der man nicht geht, weil es keine Alternative gibt?

  • Ich fand es immer schwierig, die Kinderbetreuung trotz Kitaplatz neben meinem TZ-Job sicherzustellen, weil ich auf die Gunst der Stundenplaner angewiesen war, denn die Betreuungszeiten der Kitas haben meine Arbeitszeiten (also die IN der Schule) auch in TZ nicht immer komplett abgedeckt und wurden teilweise wegen Personalmangel sogar noch mehr gekürzt. Als ich anfangs mal naiv in der Schule fragte, was ich denn tun soll, wenn mein Stundenplan so ist, dass ich die Betreuungszeit nicht einhalten kann (nein, keine Großeltern oder sonstige Verwandte in der Nähe zum Bringen/Abholen), wurde mir gesagt: Stunden noch mehr reduzieren (aber selbst dann hätte ich keinen Anspruch darauf gehabt, z.B. nicht in der 11. Stunde eingesetzt zu werden)!

    So viel zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Teilzeitarbeit...

    Das kenne ich leider auch, bei mir bestand das Problem aber vor allem morgens. Die Kitas an unserem Wohnort öffnen erst um 7:30, Dienstort bei Berufsverkehr etwa 35 Min entfernt, Ankunft der SuS (und damit Beginn der Aufsichtspflicht) ab 7:45. Das wurde nach der Einschulung der Kinder übrigens noch schlimmer, unsere GS bot damals noch keine Frühbetreuung an.

    Ich hatte letztlich das Glück, dass an manchen Tagen der andere Elternteil ausnahmsweise später anfangen durfte (Gleitzeit, aber Kernzeit eigentlich ab 8:00, Anfahrt 45 Min) und an den anderen Tagen eine Kollegin meine Klasse beaufsichtigt hat, bis ich da war. Es war aber ein wirklich schwieriges Konstrukt.

  • Ich war auf der Demo im Januar 20 gegen die Stundenerhöhung der GS-Leute.

    Es stimmt schon, dass man extrem freundliche Teizeitbedingungen als Lehrer (mittlerweile nur noch mit Kindern u18) in Bayern hat, ich muss mir da keine Gedanken machen. In allen andren Berufen ist Teilzeit ja nicht so problemlos möglich. Ganz verkehrt finde ich eine "Erschwerung" der Teilzeit nicht, aber nicht für jeden ist es gleichermaßen möglich oder sinnvoll.

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

    Aldous Huxley

  • Ich würde sofort meine TZ erhöhen, wenn ich meine Korrekturen verringern könnte: den verpflichtenden Übungsaufsatz im Fach Deutsch könnte man jederzeit streichen, geht doch in anderen Bundesländern und an der RS auch. Dann auch die völlig überflüssige Schlussbemerkung in Schriftform weglassen, Kompetenzraster zum Ankreuzen würde es auch tun.

  • Ich würde sofort meine TZ erhöhen, wenn ich meine Korrekturen verringern könnte: den verpflichtenden Übungsaufsatz im Fach Deutsch könnte man jederzeit streichen, geht doch in anderen Bundesländern und an der RS auch. Dann auch die völlig überflüssige Schlussbemerkung in Schriftform weglassen, Kompetenzraster zum Ankreuzen würde es auch tun.

    Ich arbeite zwar VZ, weswegen sich mir die TZ-oder-erhöhen-Frage nicht stellt, aber beim Rest bin ich voll bei Dir!

    Das klingt nach einer Lappalie, aber je nach Klassenstufe bedeutet so ein Übungsaufsatz Stunden an Zusatzarbeit.

    Beispiel: 10. Klasse Dramenanalyse. 20 min Minimum pro ÜA pro Schüler, und da hetze ich schon schnell durch. Macht summa sumarum 8,5 Stunden bei einer Durchschnittsklasse von 25 Schülern.

  • Ich war auf der Demo im Januar 20 gegen die Stundenerhöhung der GS-Leute.

    Es stimmt schon, dass man extrem freundliche Teizeitbedingungen als Lehrer (mittlerweile nur noch mit Kindern u18) in Bayern hat, ich muss mir da keine Gedanken machen. In allen andren Berufen ist Teilzeit ja nicht so problemlos möglich. Ganz verkehrt finde ich eine "Erschwerung" der Teilzeit nicht, aber nicht für jeden ist es gleichermaßen möglich oder sinnvoll.

    Grundsätzlich seh ich das schon auch so, allerdings befürchte ich, dass man damit noch mehr Leute abschreckt, denn gerade die junge Generation legt eben großen Wert auf Work-Life-Balance, ob das nun sinnvoll ist oder nicht. Außerdem gibt es ja durchaus KuK, die aus diversen Gründen nicht voll belastbar sind und deshalb TZ arbeiten. Da besteht eindeutig die Gefahr, dass diese KuK dann erst recht krankheitsbedingt ausfallen.

    In meinem Bekanntenkreis ist z.B. eine kinderlose Kollegin Anfang 50, die in den letzten Jahren aufgrund psychischer und körperlicher Probleme nur 14 Stunden gearbeitet hat, was immer gut geklappt hat. Seit 2020 musste sie 23 Stunden arbeiten, das Ende vom Lied ist, dass sie jetzt seit über einem Jahr krankgeschrieben ist wegen Burnout, jetzt ist die Rede von Frühpensionierung. So hat das System also gar nichts gewonnen, sondern 14 Wochenstunden verloren. Das mag ein Einzelfall sein, aber auch solche Einzelfälle summieren sich.


    Mich persönlich schmerzt vor allem das Verbot von Sabbatjahren, zumal ja auch Beurlaubungen ohne Bezüge nicht genehmigt werden können. Ich hatte mich sehr auf ein Jahr Auszeit gefreut, wenn meine Kinder aus dem Haus sind, daraus wird jetzt nichts mehr.


    Alles in allem bin ich mir nicht sicher, ob ich das bis zur Rente wirklich so mittragen möchte, die Arbeitsbedingungen werden ja allgemein schlechter (Klassenstärke, Personalmangel, marode Gebäude, mangelnde Ausstattung…). Ich bin nicht verbeamtet, daher kann ich auch leichter aussteigen, wenn es noch weiter bergab geht. Ich mag meinen Job wirklich sehr, aber unter den teilweise schon bestehenden und zukünftig noch drohenden Bedingungen wird man weder den SuS noch sich selbst je gerecht.

  • Ja, ganz genau!

    Ich kenne auch mehrere Leute, die schon ewig Teilzeit gemacht haben, meist ab dem Zeitpunkt, als sie Kinder hatten. (Ist jetzt egal, ob man das gut oder schlecht findet, das ist nicht das Thema.) Und jetzt mit um die 50 Jahre müssen sie, weil ihre Kinder 18 werden, plötzlich fast vollzeit Arbeiten - es sind ja mindestens 24 Stunden (von 28 für Vollzeit) PLUS oft diese zusätzliche (unbezahlte) Stunde, die man irgendwann mal, hoffentlich, zurückbekommen soll...


    Es gab ja damals Demos, auch von der BLLV, woran sich viele beteiligt haben. Vielleicht wäre etwas passiert, wenn dann nicht Corona gekommen wäre und alle das Gefühl hatten, jetzt sich "zusammenreißen" zu müssen.

  • Dann auch die völlig überflüssige Schlussbemerkung in Schriftform weglassen, Kompetenzraster zum Ankreuzen würde es auch tun.

    Das geht! Haben wir an meiner Ex-FOS schon vor 15 Jahren eingeführt. Dem Erfordernis der Schlussbemerkung ist mit 2 kurzen Sätzen Genüge getan. Rege das doch mal bei deinem Fachbetreuer an und lasse dir im Ablehnungsfall begründen, warum es nicht erlaubt sein soll.


    Ganz generell müssten die Fachschaften solche Zöpfe immer wieder in Frage stellen. Auch der verpflichtende Übungsaufsatz ist dafür ein Beispiel. Solche Sachen sind auch nicht das Interesse „des Dienstherrn“, sondern meist darauf zurückzuführen, dass sie irgendwann mal für sinnvoll erachtet wurden und die 150-prozentigen, die in den entsprechenden Kommissionen sitzen, keinen Grund sehen, daran etwas zu ändern. Es gibt aber Gründe, und sie liegen auf der Hand.

    „Think of how stupid the average person is, and realize half of them are stupider than this.“ - George Carlin

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  • Ganz grundsätzlich finde ich es übrigens gut, wenn der Dienstherr die Zügel wieder mal ein bisschen anzieht und deutlich macht, dass der Rock des Beamten eben nicht nur sehr warm, sondern zuweilen auch verdammt eng ist.

    Vielleicht relativiert sich das Streben nach den beamtischen Honigtöpfen dann mal wieder etwas. Man muss sich ja nur hier im Forum umschauen — an jeder Ecke finden sich Leute, die nach Tipps fragen, wie sie sich beim Amtsarzt gut darstellen können (um es mal ganz vorsichtig auszudrücken), oder die lautstark kundtun, dass sie für ein Angestelltengehalt nicht aus dem Bett aufstehen würden.

    „Think of how stupid the average person is, and realize half of them are stupider than this.“ - George Carlin

  • Ganz grundsätzlich finde ich es übrigens gut, wenn der Dienstherr die Zügel wieder mal ein bisschen anzieht und deutlich macht, dass der Rock des Beamten eben nicht nur sehr warm, sondern zuweilen auch verdammt eng ist.

    Vielleicht relativiert sich das Streben nach den beamtischen Honigtöpfen dann mal wieder etwas. Man muss sich ja nur hier im Forum umschauen — an jeder Ecke finden sich Leute, die nach Tipps fragen, wie sie sich beim Amtsarzt gut darstellen können (um es mal ganz vorsichtig auszudrücken), oder die lautstark kundtun, dass sie für ein Angestelltengehalt nicht aus dem Bett aufstehen würden.

    Ich bin seit 1988 im Schuldienst in NRW und habe in dieser Zeit eine kontinuierliche Erhöhung der Arbeitsbelastung festgestellt. Die Vorschläge jetzt empfinde ich als einen Schlag ins Gesicht.

    Es könnte alles so einfach sein - ist es aber nicht.

  • Ganz grundsätzlich finde ich es übrigens gut, wenn der Dienstherr die Zügel wieder mal ein bisschen anzieht und deutlich macht, dass der Rock des Beamten eben nicht nur sehr warm, sondern zuweilen auch verdammt eng ist.

    Vielleicht relativiert sich das Streben nach den beamtischen Honigtöpfen dann mal wieder etwas. Man muss sich ja nur hier im Forum umschauen — an jeder Ecke finden sich Leute, die nach Tipps fragen, wie sie sich beim Amtsarzt gut darstellen können (um es mal ganz vorsichtig auszudrücken), oder die lautstark kundtun, dass sie für ein Angestelltengehalt nicht aus dem Bett aufstehen würden.

    ... und dann damit rechnen, dass die Ergebnisse der Tarifverhandlungen, die ihre angestellten Kolleg*innen u.a. durch Streiken erstritten haben, auf sie als Beamte übertragen werden. Und absolut niedliche Vorstellungen von "Bürojobs" haben.


    Ja, das fällt mir hier auch auf und ärgert mich oft. Unterschwellig werden auch private Angelegenheiten wie Kinderbetreuung irgendwie in die Arbeitszeit eingepreist.


    Vermutlich zieht der Beamtenstatus die falschen Leute an. Daran müsste man etwas ändern.


    Und nicht einfach die Arbeitszeit verlängern, sondern die Arbeitsbedingungen verbessern.


    Für mich würde das zum Beispiel dadurch geschehen, dass ich Schüler*innen unterrichte, die sich für das, was ich ihnen beibringen will, auch wirklich qualifiziert haben. Und nicht mit einer Fachoberschulreife ankommen und weder Deutsch noch Mathe noch Englisch können.

  • Ich verstehe ehrlich gesagt überhaupt nicht, was die Diskussion um das Beamtentum jetzt hier zur Sache tut. Ich bin angestellt, aber mich treffen diese Vorschläge doch ganz genauso wie die verbeamten KuK, Angestellte sind da doch nicht ausgenommen?


    Was soll denn diese Debatte bewirken? Ein Gegeneinander bringt uns hier ganz gewiss nicht weiter. Im Gegenteil, da freut sich der Dienstherr, denn wenn Angestellte und Beamte gegeneinander hetzen statt gegen ihn, kann ihm das nur recht sein.


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